GASTBEITRAG: Wie Sie bei einer kriselnden Bank reich werden

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Work in a failing bank

Macht es Sinn, für eine Bank zu arbeiten, die sich in einem Abwärtsstrudel befindet? Zweifelsohne wollen wir alle bei einem erfolgreichen Unternehmen arbeiten. Und wenn Sie wirklich beim obersten Prozent mitspielen wollen, dann bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als ein höchst erfolgreiches Unternehmen zu finden und dort bis an die Spitze aufzusteigen. Doch schon per definitionem können wir es nicht alle so weit bringen. Wenn wir aber vor die Wahl gestellt werden: Entweder verdient unser Arbeitgeber gutes Geld und uns geht es gut oder unser Arbeitgeber schmiert langsam ab und wir werden reich dabei, wie viele von uns könnten da der Verlockung widerstehen?

Eines der hässlichen Geheimnisse des Investment Bankings lautet: Man kann auch dann persönlich sehr gut abschneiden, wenn es seinem Arbeitgeber schlecht geht.

In der guten alten Zeit der 90er und der Nullerjahre war es bewehrte Praxis, dass weniger renommierte Unternehmen neue Mitarbeiter mit einem mehrjährigen Garantibonus lockten. Ein Spruch lautete „three for three“, was 3 Mio. Dollar über drei Jahre bedeutete. Sobald jemand in den Genuss davon kam, konnte er es ruhig angehen lassen, zumal wenn die Summe in Cash und nicht in Aktien ausbezahlt wurde. Wer sich dem Ende des Garantiezeitraums näherte, schaute sich langsam nach einer neuen Position mit neuem Garantiebonus um.

Doch leider gehören mehrjährige Garantiboni der Vergangenheit an. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie eine wenig erfolgreiche Bank nicht dazu bringen können, Ihnen Gutes zu tun. So ist es beispielsweise weiterhin möglich, einen Aufschlag auf das Grundgehalt auszuhandeln, wenn Sie von einer renommierten zu einer weniger renommierten Adresse wechseln. Auch können Sie weiterhin eine „mündliche Garantie“ erhalten. Diese besteht in dem Versprechen einer Zahlung, sobald Sie ziemlich leichte Ziele erreichen. Falls die Zentrale sogar den Bonuspool subventioniert, um an dem Geschäft festzuhalten, dann kann es schon lukrativ sein, der grösste Fisch im (Bonus)-Teich zu sein. Falls Sie ein kompetenter Mitarbeiter in einem eher mittelmässigen Unternehmen sind, dann können Sie rasch die Karriereleiter hinaufklettern, in dem sie angesichts der schwachen Konkurrenz schnelle Beförderungen erhalten, und sich anschliessend mit der neuen Position und dem neuen Titel bei einer erstrangigen Bank bewerben.

Bei diesem Spiel geht es einfach darum, die Wahrnehmungen zu managen. Sie wollen den Eindruck hinterlassen, dass Sie eine grosse Nummer mit einem fantastischen Lebenslauf sind. Dazu gehört z.B. zu erwähnen, dass sie bei Ihrem vorherigen Arbeitgeber eigentlich schon inoffiziell das Team geleitet haben, auch wenn Sie kurz davorstanden, selbst vor die Tür gesetzt zu werden, und dass Ihr eigener Wert durch das Unternehmen heruntergezogen wurde, für das Sie gearbeitet haben.

Wenn Sie bei einem weniger renommierten Unternehmen anfangen, dann ist die beste Strategie: Treffen Sie sich häufig mit einem Grosskunden aus ihrem vorherigen Job, der noch kein Geschäft mit Ihrem neuen Arbeitgeber unterhält. Dies erlaubt Ihnen, Ihrem Vorgesetzten eine goldene Karotte vor die Nase zu halten, während Sie gleichzeitig darauf achten, dass niemand prüfen kann, wie viel Geld Sie tatsächlich hereinbringen.

Zunächst müssen Sie allerdings herausfinden, welches ein geeignetes verzweifeltes Unternehmen ist. Die kleinen oder mittleren Niederlassungen profitabler kontinentaleuropäischer oder asiatischer nationaler Champions haben sich traditionell als gutes Jagdgebiet bewehrt. Doch ehemalige erstrangige Banken, die eine schwierige Phase erleben, sind ebenfalls für den Gedanken empfänglich, eine Neueinstellungen von einem renommierten Mittbewerber sei genau das Richtige für einen Turnaround. Das funktioniert tatsächlich und es ist auch der Grund dafür, wieso Unternehmen ihren Bonuspool auffüllen, obgleich sie bereits Verluste schreiben.

Allerdings besteht dann immer noch das Risiko, dass Sie bei einer Bank arbeiten, die irgendwann einmal abgewickelt wird. Das bedeutet heute nicht mehr, dass einem sein mehrjähriger Boni auf einen Schlag ausbezahlt wird, sondern womöglich Jahre ungewollter Arbeitslosigkeit.

All dies klingt unschön und es verschafft Ihnen auch keine Hochglanzseiten im Ehemaligenmagazin Ihrer Uni. Dennoch handelt es sich um eine Seite des Investment Bankings und es lohnt sich, ein wenig zynisch zu sein. Eine gute persönliche Reputation stellt einen immateriellen Vermögensgegenstand dar. Doch immaterielle Vermögensgegenstände müssen irgendwann in Cash umgemünzt werden, ansonsten sind sie wenig wert. Manchmal stellt das beste Angebot eben nicht den glänzendsten Namen auf dem Lebenslauf dar.

Dan Davies ist Senior Research Advisor bei Frontline Analysts und hat früher als Bankenanalyst für Cazenove, Credit Suisse und BNP Paribas gearbeitet.

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