Vorbild Dresdner Bank: Wieso die Fusion von Deutscher und Commerzbank eine Schnapsidee ist

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Kurz nachdem die Gedankenspiele von Bundesfinanzminister Olaf Scholz und Deutsche Bank-Chef Christian Sewing über eine Fusion von Deutscher und Commerzbank bekannt geworden sind, schoss der Aktienkurs der Deutschen Bank um 8 Prozent in die Höhe. Nur einen Tag später scheint die Euphorie zerstoben. Seit Jahresbeginn hat die Deutsche Bank-Aktie sogar die Hälfte ihres Wertes verloren – und das, obwohl der Aktienkurs bereits seinerzeit von einem Tief zum nächsten eilte. Tatsächlich verheisst eine Fusion nichts Gutes, wie ein kurzer Rückblick auf das Zusammengehen von Commerz- und Dresdner Bank vor rund zehn Jahren zeigt. Konkret:

Das Kursmassaker der Commerzbank

Am gestrigen Mittwoch (12. Dezember) schloss die Commerzbank-Aktie bei 7,03 Euro, womit das Institut seit Jahresbeginn die Kleinigkeit von 44 Prozent verloren hat. Doch das richtige Ausmass der Kapitalvernichtung wird erst in langfristiger Perspektive sichtbar. Ende 2008 hatte die Aktie noch bei 35,30 und am 6. Juni 2007 sogar bei 195,51 Euro notiert. Falls die Aktie der Vereinigten Deutschen und Commerzbank eine ähnliche Entwicklung nehmen sollte, würde sie zu den Pennystocks zählen.

Bilanzsumme zusammengestrichen

Ein Argument für die Fusion von Commerz- und Deutscher Bank lautet: Deutschland brauche eine Grossbank, die international mitspielen könne. Ähnliche Argumente hatte es schon bei der Fusion von Commerz- und Dresdner Bank gegeben und sie sollten enttäuscht werden. So wies die heutige Commerzbank Ende September eine Bilanzsumme von gut 493 Mrd. Euro auf, was immerhin 21 Prozent weniger als Ende 2008 waren. Darin ist die Bilanzsumme der Dresdner Bank mit knapp 330 Mrd. Euro noch nicht einmal erhalten. Nach der Fusion schrumpfte die Bank vielmehr dramatisch.

Der Kahlschlag beim Personal

Ende September zählte die Commerzbank 49.174 Mitarbeiter – wobei allerdings das laufende Abbauprogramm noch längst nicht abgeschlossen ist. Ende 2008 zählte die Commerzbank 43.169 und die Dresdner Bank 21.341 Mitarbeiter – also zusammen 64.510 Beschäftigte. Bislang sind also über 15.000 Stellen weggefallen – bisher wohlgemerkt.

Bank ohne Gewinne

Die These, dass eine fusionierte Bank eine grössere Profitabilität aufweist, widerlegt das Beispiel Commerz- plus Dresdner Bank ebenfalls eindrucksvoll. Dies zeigt ein kurzer Blick in die Jahresabschlüsse seit 2009. So hat die Commerzbank in den ersten neun Monaten 2018 einen Reingewinn von nur 751 Mio. Euro generiert, womit es sich im internationalen Vergleich um Peanuts handelt. Wenn man indes die Gewinne und Verluste seit 2009 aufaddiert, ergibt sich nur ein Reingewinn von 921 Mio. Euro – in knapp neun Jahren.

Boni mit Schwindsucht

Nach der Bonussaison steht so mancher Mitarbeiter einer US-Bank vor der diffizilen Frage: Porsche oder Maserati? Dagegen müssen die Commerzbank-Mitarbeiter darüber nachgrübeln, ob sie sich ein Mofa oder ein Fahrrad leisten können. 2017 liess die Commerzbank beispielsweise variable Vergütungen von nur 235 Mio. Euro springen, die sich auf über 47.000 Mitarbeiter verteilten. Damit beläuft sich der Bonus pro Kopf auf keine 5000 Euro.

Bei der Vergütung der Risikoträger im Investment Banking sieht es kaum anders aus. Diese 320 Führungskräfte kassierten für 2017 Boni von insgesamt gut 27 Mio. Euro oder keine 86.000 Euro pro Kopf. Im Vergleich zur Deutschen Bank ist das ausgesprochen wenig.

Wieso sollte es jetzt anders laufen?

Bevor eine Fusion zwischen Deutscher und Commerzbank ernsthaft erwogen werden sollte, müssen die Propagandisten dieser Idee erst einmal erklären, wieso diesmal alles anders laufen sollte? Zumal die Geschichte erfolgreicher Bankfusionen in Deutschland äusserst kurz ausfällt – besonders seit der Finanzkrise.

Falls Sie eine vertrauliche Nachricht, einen Aufreger oder einen Kommentar loswerden wollen, zögern Sie nicht! Schreiben Sie einfach an Florian Hamann. fhamann@efinancialcareers.com.

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