GASTBEITRAG: Wie ich nacheinander 60 meiner Kollegen vor die Tür gesetzt habe

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GASTBEITRAG: Wie ich nacheinander 60 meiner Kollegen vor die Tür gesetzt habe

Photo by Dylan Richards on Unsplash

Falls alles prächtig läuft, dann stellt das Investment Banking eine grossartige Branche dar, um darin zu arbeiten. Wenn man bei einer fantastischen Firma mit einer fantastischen Marke beschäftigt ist, dann herrscht dort Energie und Kollegialität. Darüber hinaus bekommt man auch noch Geld und Prestige. Sie halten sich für wichtig.

Doch wenn die Sachen nicht so gut laufen, dann kann es rasch schwierig werden.

So hatte ich in meinem Team rund hundert Leute unter mir. Innerhalb von nur drei Jahren – von 2015 bis 2018 – musste ich es auf 40 Mitarbeiter reduzieren. Es handelte sich um eine langsame Zermürbung, eine Reihe von Personalabbaumassnahmen, um eine höhere Verzinsung des regulatorischen Kapitals zu erzielen.

Solche Einschnitte fallen niemals leicht und auch den Managern der Deutschen Bank, denen ähnliches bevorsteht, wird es nicht leicht fallen. Denn die Leute, die Sie vor die Tür setzten müssen, haben Sie gehegt und gepflegt. Oft handelt es sich um wirklich gutes Personal. Sie setzen sie nicht vor die Tür, weil sie schlecht wären, sondern weil sich das wirtschaftliche Umfeld geändert hat und es einfach keine ausreichenden Ergebnisse zulässt.

Einige der Leute, die ich vor die Tür gesetzt habe, haben nie wieder an der Wall Street gearbeitet. Andere von ihnen haben mir bis zum heutigen Tage nicht verziehen. Zwar verstehen die Leute, dass das Geschäft an erster Stelle kommt, doch es handelt sich auch nur um Menschen.

Als Führungskraft im Banking dürfen Sie so etwas – wie in jeder anderen Branche – nicht emotional an sich herankommen lassen. Es fällt nicht leicht, jemanden vor die Tür zu setzen, mit dem Sie jeden Tag zehn Jahre lang zusammengearbeitet haben. Sie müssen sich selbst fest verdrahten, um harte Entscheidungen fällen zu können, Sie dürfen darüber nicht Ihre Menschlichkeit verlieren. Ich kenne Sadisten, die so etwas auf die Spitze treiben und sich an der Macht berauschen, Kollegen vor die Tür zu setzen.

Als ich meinen Kollegen kündigte, war ich so offen und transparent wie möglich. Dies mag auch der Grund dafür sein, wieso noch immer 80 Prozent der Leute, die ich vor die Tür gesetzt habe, mit mir sprechen. Wer etwas älter ist, dem fällt es oft schwieriger, eine neue Stelle zu finden, weshalb ich versucht habe, den Übergang zu erleichtern, indem ich den erfahreneren Kollegen frühzeitig gesteckt habe, was auf sie zukommt. Auf diese Weise konnten sie sich vorbereiten und anderswo einen Job finden - z.B. auf der Buy-side.

Wenn Sie Kollegen vor die Tür setzen, müssen Sie sich klarmachen, dass Sie nichts falsch gemacht haben. Einschnitte, vor allem an der Spitze, können notwendig und sogar gesund sein. Ein Grund. wieso Goldman Sachs in der Vergangenheit so gut abgeschnitten hat, liegt darin, dass man Partnern nur erlaubt hat, drei bis vier Jahre zu bleiben. Dagegen kleben bei den meisten Banken die Führungskräfte an ihren Sesseln. Sie haben nicht so viel Geld wie ihre Vorgänger verdient und wollen bleiben, womit mittlere und jüngere Mitarbeiter keine Chance bekommen voranzukommen. Ein regelmässiger Personalabbau auf dem Führungskräfte-Level stellt eine Notwendigkeit des Ökosystems dar. Daran sollen Sie sich erinnern.

Bei Colm Cooper handelt es sich um ein Pseudonym.

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