Was ein ehemaliger deutscher Goldmann für den Brexit prognostiziert

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Was ein ehemaliger deutscher Goldmann für den Brexit prognostiziert

Photo by Elliott Stallion on Unsplash

Können Sie sich noch an Bobby Vedral erinnern, den deutschen Investmentbanker, der in London lebt? Bis zum Oktober war er Partner bei Goldman Sachs und dort Chef der Marktstrategie. Vedral ist für seine Weitsichtigkeit bekannt. So hat er das Ergebnis der Brexit-Referendums 2016 und die Wahl im Oktober vorausgesagt. Derzeit betreibt er seinen eigenen Fonds „Macro Eagle“ und veröffentlicht regelmässig Newsletter zu aktuellen Ereignissen.

Auch sein neuester Newsletter enthält eine zeitgemässe Prognose. Für alle, die in London arbeiten und sich fragen, was auf sie zukommt, haben wir den Text unten wiedergegeben. Wahrscheinlich werde Grossbritannien sofort eine Äquivalenz zu den EU-Finanzdienstleistungen erreichen, was allerdings die Banken nicht davon abhalten wird, eine substanzielle Zahl von Jobs ab dem 1. November nach Kontinentaleuropa zu verlagern.

„Was Boris‘ Team veranstaltet, ist ziemlich offensichtlich und für alle, die sich mit Schlachtstrategien auskennen, handelt es sich um einen Bewegungskrieg: Bewege dich schnell, verhalte dich unerwartet (wie die Vertagung des Parlaments, die Drohung mit der Nichtaufstellung bei einer Neuwahl), verwirre die Opposition und bring sie dazu, sich in die Richtung zu bewegen, in die Sie sie haben wollen, worin m.E. eine frühe Neuwahl besteht. Im vergangenen Monat habe ich mit dem 10. Oktober gerechnet. … Doch gestern hat Boris gesagt, es könne der 14. Oktober werden… OK, ich habe mich um vier Tage getäuscht (damit liege ich immer noch besser als die meisten). Der Punkt ist, dass das nicht gegen Brüssel gerichtet ist (das G7-Treffen ist gut gelaufen und sie glauben an ihn), sondern an die Parteigänger des Brexits. Daher erwarte ich, dass die (unorganisierten) Rebellen heute eine Dringlichkeitsdebatte zu einem No Deal-Brexit und eine Verlängerung nach Artikel 50 [des Lissabon-Vertrags] beantragen, was Parlamentssprecher Bercow akzeptieren wird (und damit eine Konvention verletzt). Anschliessend wird die Sache am Mittwoch durchgehen, am Donnerstag ans House of Lords überwiesen und bis Sonntag die königliche Zustimmung erhalten. Die grosse Frage lautet dann, wird Boris genügend Unterstützung von Labour für Neuwahlen erhalten (er braucht eine Dreiviertelmehrheit)? Ich denke, Corbyn wird das gerne machen. Wenn dann die Brexit-Parteigänger für die Konservativen stimmen und die Stimmen für den EU-Verbleib zwischen Labour und den Liberalen aufgespalten werden, dann dürften die Tories wohl 50+ Parlamentssitze hinzugewinnen, worauf m.E. ein No Deal-Brexit folgen wird – allerdings ein organisierter. Nach all dem wird Grossbritannien zu 100 Prozent mit der EU-Regulierung übereinstimmen und die temporäre Anerkennung [der Gleichwertigkeit] dürfte nur eine politische, aber keine technische Frage sein. Das stellt zwar nicht meine bevorzugte Wahl dar, aber darum geht es auch nicht…“

Im Grunde will Johnson also erst Neuwahlen und dann einen No Deal-Brexit bei völliger Compliance zur EU-Regulierung erhalten. Doch diese temporäre Anerkennung funktioniert nur so lange, wie die EU mitspielt. Allerdings dürfte Grossbritannien wie ein Drittstaat wie Kasachstan behandelt werden.

Allerdings hat Vedral auch gesagt: „Wenn wir Corbyn bekommen, dann haben wir Kuba ohne Sonne.“

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