Was Recruiter im Finanzbereich während COVID-19 tatsächlich machen

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Was Recruiter im Finanzbereich während COVID-19 tatsächlich machen

Der Lockdown in London und New York dauert seit über einem Monat an – Recruiter im Finanzbereich, so könnte man vermuten, nutzen die Zeit wie alle anderen um auszuschlafen und irgendwelche Hobbies zu pflegen. Bei einigen wird es wohl wirklich so laufen. Andere hingegen sehen die Krise als Chance, voranzukommen.

Recruiter, die Front-Office-Stellen im Fixed Income und Equities Sales and Trading besetzen, berichten uns gegenüber, dass sie mit Aufträgen, die vor dem Virus-Ausbruch erteilt wurden, recht gut ausgelastet seien: „Alle Stellen, die schon vor der Krise ausgeschrieben wurden, laufen weiter“, so ein Headhunter im Bereich Equities in London, der nicht namentlich genannt werden möchte. „Viele Besetzungsverfahren, die Ende letzten Jahres begonnen wurden, laufen noch, sind abgeschlossen oder stehen kurz vor dem Abschluss. Die Suche nach Kandidaten für laufende Besetzungsverfahren geht weiter.“

Ein führender Macro-Headhunter, der in London und New York tätig ist, äussert sich ähnlich. „Wir haben mit laufenden Aufträgen gut zu tun und führen jeden Tag vier bis fünf Vorstellungsgespräche via Zoom. Weil alle gerade ohnehin zuhause sind, gestaltet sich das sogar einfacher als früher.“

Beide sagen, dass Buy-Side-Unternehmen wie Hedgefonds und Private-Equity-Fonds eher einstellen als Banken: Fonds wie Citadel und Millennium etwa haben in den letzten Wochen Personal aufgestockt.

Und doch heisst dies noch lange nicht, dass alles normal ist. Zahlen von Burning Glass belegen, dass führende Banken in New York zum Stichtag 18. April 2020 90 Prozent weniger Stellen ausgeschrieben hatten als am gleichen Tag des Vorjahrs. Dies dürfte natürlich zu erwarten gewesen sein. Doch sogar im schneller wachsenden Tech-Bereich in New York waren am 18.April 2020 82 Prozent weniger Stellen ausgeschrieben als am 13. April 2019.

Angesichts dieser Umstände widmen sich einige Recruiter anderen Aufgaben. Ein Headhunter in New York erklärt, dass er sich zunächst auf Personalvermittlung in den Bereichen Recht und Technologie konzentrieren wolle. „Da werden immer Leute gesucht“, sagt er mit Blick auf die genannten beiden Branchen. Ein Headhunter in London berichtet, sich mehr auf Kontinentaleuropa und vor allem auf Deutschland zu konzentrieren. „Dort scheint man die Pandemie besser zu bewältigen. In London gibt es viel grössere Probleme und ausserdem den Brexit.“ Ein anderer erzählt, dass er sich von seinen Assistenz-Mitarbeitern getrennt habe und sich jetzt selbst um seine administrativen Aufgaben kümmern müsse.

Am „Ende” der Pandemie dürften die Headhunter im Bereich Investment Banking (M&A, capital markets und debt capital markets) am besten erholt sein. Zwar hat etwa Credit Suisse im ersten Quartal 230 Banker eingestellt und es gibt Anzeichen dafür, dass etwa im Restrukturierungs-Geschäft mittelfristig Stellen geschaffen werden, und dennoch berichten Investment-Banking-Recruiter, dass es sehr ruhig sei. „Es laufen immer noch einige Dinge“, so ein Headhunter, der eine führende Personalvermittlung im Bereich Restrukturierung leitet, „aber wirklich nicht viel“.

Doch die Aussichten sind nicht überall düster. Der erwähnte Headhunter im Investmentbanking berichtet, dass er gerade den Vorschuss für ein neues Buy-Side-Projekt erhalten habe, das monatelang in der Abstimmung war. Der erwähnte Makro-Headhunter sagt, es gebe Anzeichen dafür, dass die durch die Marktschwankungen im März ausgelöste Lähmung sich allmählich auflöst und wieder Personal gesucht wird, und zwar vor allem bei Hedgefonds und Vermögensverwaltungsunternehmen.

Einige sind sogar optimistisch, dass Banken irgendwann wieder Personal einstellen. „Der Aktienmarkt hatte ein grossartiges erstes Quartal, und je nachdem, wie Grossbritannien mit COVID-19 umgeht, könnte es in sechs bis acht Wochen wieder mehr Stellenausschreibungen geben“, so ein Equities-Headhunter. „In der zweiten Jahreshälfte könnte im Recruiting durchaus viel zu tun sein. Sicher ist das allerdings nicht, denn die Erträge aus dem Aktiengeschäft könnten auch abstürzen, wenn sich die Lage stabilisiert.“

Der Headhunter im Makrobereich berichtet, dass er derzeit etwa zehn Besetzungsverfahren betreue. „Das ist nicht schlecht, aber in einem guten Jahr hätten wir 30“, sagt er. Der Investmentbanking-Headhunter kümmert sich derweil um seine Admin-Arbeit, geniesst die Sonne und pflegt den Kontakt zu Buy-Side-Unternehmen. „Auf der Buy-Seite erwarte ich frühestens im September wieder Bewegung“, erklärt er und fügt hinzu, dass er sich schwer damit tue, potenzielle Bewerber zu kontaktieren, wenn nicht viel los sei. Der Equities-Headhunter ist da anderer Meinung: „Klatsch und Tratsch interessiert die Leute immer“, sagt er. „Und jetzt gerade ganz besonders.“

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