Der beste C++-Programmierer der Welt – und sein Job bei Morgan Stanley

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Der beste C++-Programmierer der Welt – und sein Job bei Morgan Stanley

Bei Morgan Stanley in New York gibt es einen neuen Vorzeigemitarbeiter – und er ist weder Trader noch ein grosser Dealmaker, sondern arbeitet im Tech-Bereich. Man kann sich durchaus mit ihm schmücken, uns genau das tut Morgan Stanley jetzt auch.

2014 hat Bjarne Stroustrup, der Erfinder von C++, bei Morgan Stanley angefangen. Schon damals sorgte die Personalie für Aufsehen: Stroustrup hatte zuvor fast ausschliesslich in der Wissenschaft gearbeitet, die meiste Zeit an der Texas A&M University. Obwohl er keinerlei Bank-Erfahrung mitbrachte, stellte Morgan Stanley ihn als Technical Fellow und Managing Director ein. Parallel zu seiner Tätigkeit bei Morgan Stanley wurde Stroustrup als Visiting Professor an die Columbia University berufen.

In einer neu erschienenen Morgan Stanley minute macht Morgan Stanley nun nochmals darauf aufmerksam, was für ein Genie man in den eigenen Reihen hat. C++ sei zu verstehen als „die Grundlage der Dinge, oder die Maschinerie aller Dinge, die wir verwenden“, sagte Stroustrup in einem Video, das die Bank letzte Woche online stellte. Als er 1979 angefangen habe, mit C zu arbeiten (die Programmiersprache, aus der C++ hervorging), musste er „etwas entwickeln, das Dinge konnte, die ich mir nicht einmal vorstellen konnte“. Schon 1998 war C++ zu einer der meistgenutzten Programmiersprache weltweit geworden, und hat aktuell rund rund 4,5 Millionen Nutzer – und das, obwohl sie als extrem schwierig gilt.

Stroustrup, der mittlerweile 69 Jahre alt ist, hat im Laufe seines Lebens eine ganze Reihe an Auszeichnungen erhalten und ist unter anderem Honorarprofessor am Churchill College der Cambridge University. Als er 2018 für die Konzeptionalisierung und Entwicklung von C++ mit dem Charles Stark Draper Prize for Engineering ausgezeichnet wurde, betonte Stroustrup, dass es in seiner Karriere immer wieder glückliche Zufälle gab. Der gebürtige Däne war der erste in seiner Familie, der studierte. „Mein Vater und alle meine Onkel hatten die Schule mit 14 verlassen und körperlich gearbeitet“, so Stroustrup. Als er sich für Studienplätze bewarb, fiel seine Wahl daher auf Ingenieurswissenschaften. Aus finanziellen Gründen ging dann allerdings nicht an die Uni Kopenhagen, sondern nach Aarhus, denn dort konnte er während dem Studium weiterhin bei seinen Eltern wohnen. Er schrieb sich für Mathematik und Informatik ein, was seinen weiteren Weg vorgab.

Stroustrup hat sich nicht nur im Gespräch mit den Unternehmensredakteuren von Morgan Stanley geäussert, sondern gab vor Kurzem auch ein Interview bei TechRepublic. In den „unedited notes“ erklärte er, was er bei der Investmentbank tue. „Ich arbeite bei Morgan Stanley als Technocal Fellow“, sagte Stroustrup und deutete damit an, dass er kaum Führungsverantwortung habe. „Ich kümmere mich dort hauptsächlich um Distributued Systems, Programmiertechniken und Schulungen. Meine Arbeit rund um den ISO C++ Standard und die C++ Core Guidelines are considered sind Teil meiner Tätigkeit dort.“

Stroustrup berichtete, dass er seine Tätigkeit bei der Bank gut mit seinen Uni-Jobs vereinbaren könne, weil letztere nicht zu fordernd seien. „Meine Carlos III-Doktorwürde ist ehrenhalber – es sind keinerlei formale Verpflichtungen damit verknüpft. Normalerweise wäre ich allerdings auch dieses Jahr hingeflogen, um einen Vortrag zu halten und mich mit Leuten dort auszutauschen, so wie letztes Jahr – wegen der Pandemie hat es nicht geklappt. Ausserdem gebe ich jedes Jahr einen Kurs zu Softwaredesign mit C++ an der Columbia University in New York City.“

In den Anmerkungen zu seinem TechRepublic Interview sagte Stroustrup, dass viele eine falsche Vorstellung davon hätten, was sich hinter dem Begriff „Programmierjobs“ alles verberge. „Es ist ein Unterschied, ob man eine einfache Website aufsetzt oder eine Infrastruktur für einen Dienst aufbaut, von dem Leben oder Lebensunterhalte entscheidend abhängen. Ich interessiere mich in erster Linie für Letzteres", sagte Stroustrup. „Mich interessiert, wie es gemacht wird, welche Werkzeuge benutzt werden und wie die Experten geschult werden“.

Er selbst, so Stroustrup, habe aufgrund der Pandemie mit einem leichten Burnout zu kämpfen. Informelle virtuelle Interaktionen abseits von offiziellen Meetings würden ihm helfen, damit zurecht zu kommen. Die Arbeit an C++ 20 und C++ 23 sei durch die Pandemie verzögert worden, sagte Stroustrup, aber er rechne damit, dass der 2023er-Standard er Library Support für Coroutines, Networking und Executors sowie möglicherweise auch eine Modular Standrad Library (oder zumindest zwei der aufgeführten) in den 2023-Standard vielleicht eine modulare Standardbibliothek (oder mindestens zwei dieser Dinge) enthalten werde.

In seiner Freizeit liest Stroustrup „leichte Literatur“ wie etwa „Die Pest“ von Albert Camus.

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Photo by D A V I D S O N L U N A on Unsplash

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