Geleakte E-Mail: Big Four-Mitarbeiter arbeiten noch mehr als Banker

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Geleakte E-Mail: Big Four-Mitarbeiter arbeiten noch mehr als Banker

Wer bei einem Big Four Unternehmen arbeitet, wird deutlich weniger verdienen als mit einem Front Office-Job bei einer Investment Bank. Das ist fair, schliesslich sind die Arbeitszeiten bei den Big Four besser. In Stosszeiten, wenn bei mehreren Kunden gleichzeitig Abschlüsse anstehen, gilt das allerdings nicht.

Am Dienstag, den 5. Januar schrieb ein Manager im Assurance Team bei EY in Hongkong in einer nun geleakten E-Mail, dass die normale Arbeitszeit in der „Hochsaison“ von 9:30 bis 23:30 Uhr sei – und zwar mindestens. „Arbeiten bis Mitternacht ist zu Stosszeiten normal, es geht um die eigene Disziplin und Verantwortung“, so der Manager, der fortfährt, dass das Team auch an einem der beiden Wochenend-Tage ins Büro kommen solle (von 10 bis 19:30 Uhr) und einen weiteren halben Tag von zuhause aus arbeiten solle.

Es steht den Team-Mitgliedern frei, am Freitag bereits um 7:30 Uhr anzufangen und dann abends früher zu gehen, so der Manager in einem Anflug von Grosszügigkeit. Dann gehe es auch in Ordnung, sich „mit der Familie oder Freunden zum Essen zu treffen“.

Die EY-Mail erinnert an eine E-Mail, die im Mai 2020 von einem VP bei PJT Partners verfasst wurde und in der gefragt wird, warum das Team nachts um 3 Uhr nicht arbeitet. Der verantwortliche VP ist nach wie vor bei PJT beschäftigt.

Der Manager, der wohl auch diverse andere Nachrichten verschickt haben soll, in der er unter anderem verlangt, dass Skype-Nachrichten innerhalb von einer Minute beantwortet werden und Mitarbeiter ihre Handys nicht ausschalten sollen, erhält keine Rückendeckung von EY. Ein Sprecher bei EY in Hongkong erklärte: „Wir wissen um die interne E-Mail, in der ein führender Manager in Hongkong seinen direkten Mitarbeitern gegenüber seine Erwartungen in Sachen Arbeitszeiten geäussert hat. Die Erwartungen und der Ton, die in der E-Mail zum Ausdruck kommen, stehen nicht in Übereinstimmung mit den Werten von EY. Der Vorfall wird von uns sorgfältig geprüft.“

Der Sprecher fügte hinzu: „Das Wohlergehen unserer Leute ist unglaublich wichtig. Wir haben flexible Arbeitszeitmodelle und vertrauen darauf, dass unsere Mitarbeiter ihre Arbeit und ihre privaten Verpflichtungen miteinander vereinbaren können. Unsere Unternehmensführung und Talent Teams stehen jenen, die in den Fall involviert sind, mit Unterstützung und Beratung zur Seite.“

Dies ist nicht das erste Mal, dass Leute bei den Big Four über Überstunden klagen. 2015 erklärte Accountant Stu in Tokyo, dass er jeden Tag von 9:30 bis 23:30 Uhr arbeiten müsse.

„Wirtschaftsprüfung ist der schlimmste Job bei den Big Four”, erklärte uns 2019 ein ehemaliger Audit Associate, der bei einer der grossen Big-Four-Unternehmen in London tätig war. „Es war der schlimmste Job, den ich je hatte. Viele Überstunden, schlechte Bezahlung und extrem langweilige Arbeit. Die Arbeit ist sehr Prozess-getrieben. Wir haben es ‘Ticking and Bashing’ genannt – es geht im Kern darum, Häkchen zu machen und zu bestätigen, dass man ein bestimmtes Prozedere befolgt hat.“

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