„Wenn der Bonus nicht richtig gut ist, werde ich meinen Job an den Nagel hängen“

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„Wenn der Bonus nicht richtig gut ist, werde ich meinen Job an den Nagel hängen“

Aktuell gibt es kaum ein Gespräch, in dem nicht irgendwann um das Thema Boni fällt. Bei Investmentbanken gestaltet sich die Verteilung der Boni dieses Jahr schwierig: Fixed-Income-Trader dürften üppig verdienen, doch sie sind nicht die einzigen, die sich Hoffnung auf grosse Boni machen. Sogar M&A-Banker, bei denen 2020 schwierig war, werden angesichts von M&A-Rebounds und einer Schlacht um neue Köpfe in 2021 entsprechend die Hand aufhalten.

Wie viel man verdient, spielt im Banking immer eine grosse Rolle, doch dieses Jahr war das Gehalt so wichtig wie nie: Die Pandemie hat viele an den Rand des Burnouts gebracht und viele fragen sich, ob sie überhaupt in der Branche bleiben wollen. In unserer neusten Befragung von rund 1.000 Personen, die weltweit in der Finanzwelt tätig sind, zeigte sich, dass die Leute im Dezember 2020 im Durchschnitt am Rande der Erschöpfung standen – und zwar obwohl man seit fast einem Jahr im Home Office arbeitet. 55 Prozent der Befragten bezifferten den Grad ihrer Erschöpfung kurz vor der Weihnachtspause (auf einer Skala von 0 bis 10) mit 8 oder höher.

„Die ersten zaghaften Schritte in Richtung Work-Life-Balance, die im letzten Jahrzehnt getan wurden, sind während der Pandemie zunichte gemacht worden“, so ein Junior-Banker, der bei einer Boutique in New York City arbeitet. „Es wird erwartet, dass die Gehälter 2020 sinken und es gibt nur wenige Gründe oder handfeste Vorteile, auf der Verkäufer-Seite zu bleiben.“

„Für mich hat das Banking seinen Zauber verloren“, sagt ein Debt Capital Markets Banker bei Citi in New York. „Die Pandemie hat mir klar gemacht, dass ich ein echtes, gesundes Leben führen will. In unserer Branche wird ständig nur mit Geldscheinen vor der Nase herum gewedelt. Schlimmer noch ist, dass die Gehälter sinken und es noch schwerer geworden ist, befördert zu werden, weil Leistung weniger zählt als früher.“

Ein Prime-Brokerage-Experte bei einer grossen französischen Bank sagt, er habe deutlich mehr gearbeitet als in den letzten Jahren und sei zu dem Schluss gekommen, dass nur die MDs profitiert hätten. „Das Senior Management ist von purer Gier getrieben“, bemängelt er. Ein anderer Banker im selben Unternehmen bezifferte den Grad seiner Erschöpfung mit 10 von 10. „Ich habe mich dieses Jahr für die Arbeit komplett aufgeopfert. Wenn der Bonus nicht richtig gut ist, werde ich meinen Job an den Nagel hängen.“

Sieht das Berufsleben auf der Käufer-Seite besser aus? Vielleicht. Während Sell-Side-Banker ihre Erschöpfung im Durchschnitt mit 7,5 von 10 Punkten bewerten, liegt der Wert bei Leuten auf der Käufer-Seite nur bei 5,5 Punkten. Eine Mitarbeiterin im Private-Equity beschrieb sich als „gefangen in einem ewigen Hamsterrad“. Ein Junior im Private-Equity in Skandinavien schreibt, die Arbeit fühle sich banal an, wenn man nicht im Büro sei. Ein Researcher bei einem Long-Only-Asset-Manager sagte, er habe das Gefühl, gegen eine Automatisierungs-Welle zu kämpfen. Im Home Office fehle ihm die Motivation, bei den Märkten am Ball zu bleiben.

Branchenübergreifend gaben Mitarbeiter aus dem Middle und Back Office an, zu wenig Anerkennung zu bekommen. „Ich bin geistig ausgelaugt und körperlich kaputt“, so ein Tech-Mitarbeiter, der den Grad seiner Erschöpfung mit 10 bezifferte. Trotz eines persönlichen Corona-Dramas habe sein Arbeitgeber ihn mit Arbeit zugeschüttet, ihm aber gleichzeitig grossmundig empfohlen, sich zu schonen. Eine Mitarbeiterin einer grossen US-Bank sagt, sie fühle sich wie „ein Triebwerk, das zu lange im Notaggregat läuft. Das Triebwerk ist kaputt und es gibt kein Benzin mehr… Ich ziehe jetzt die Reissleine, nehme den Bonus und gehe.“

Was auffällt ist, dass – entgegen aller Klischees – von den Befragten auch Dankbarkeit geäussert wird: Man könne sich glücklich schätzen, noch einen gut bezahlten Job zu haben. 53 Prozent gaben an, dass sie angesichts der Pandemie auf jeden Fall weiter in der Finanzwelt bleiben wollen. Einige gaben an, in Zukunft weniger Geld ausgeben zu wollen.

Für viele geht es bei den diesjährigen Boni mehr als alles andere um eine Anerkennung für ein aussergewöhnlich schwieriges Jahr. Angesichts von hohen Gewinnen sind die Erwartungen entsprechend. „Was ist eigentlich mit dem Geld passiert, das bei den Reisekosten gespart wurde?“, fragt einer, der auf der Käufer-Seite arbeitet. „Fliesst das vielleicht in die Boni? – In ein paar Wochen wissen wir mehr.“

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