Nachwuchsbanker beschreibt lange Arbeitstage im Home Office als „seltsam erfüllend“

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Nachwuchsbanker beschreibt lange Arbeitstage im Home Office als „seltsam erfüllend“

Bei allen Klagen über die gnadenlosen Arbeitszeiten, die das Arbeiten als Investmentbanker im Home Office mit sich bringt, ist es schön, wenn der schlechten Stimmung ein Gegengewicht entgegengesetzt wird. Ein junger Investmentbanker aus London hat genau das jetzt getan.

Mani ist seit Kurzem Analyst bei JP Morgan in London und gehört nun auch zur Riege der Jung-Banker auf YouTube. Während es in den YouTube Videos von Nachwuchsbankern meistens darum geht, wie grauenvoll es in der Finanzwelt zugeht, erklärt Mani in seinen Videos, dass Bankenjobs eigentlich ganz ok sind. Die Clips sind erfrischend ehrlich – anders als das eher peinliche „Day in the life“-Video, das letzte Woche von einer Schweizer Bankerin veröffentlicht und dann wieder gelöscht wurde.

In einem seiner Videos, das er letzten Monat geposted hat, hat Mani – im Home Office bei seinen Eltern in London – einen 16 Stunden-Tag und kommt erst um 16 Uhr dazu, etwas zu essen. Der Tag beginnt um 7.30 Uhr, als er im Bett E-Mails liest und endet nach dem Umsetzen aller Kunden-Wünsche um Mitternacht. In der Zeit dazwischen berichtet Mani, dass er „wahrscheinlich an zehn verschiedenen Excel-Dateien und vier bis fünf Präsentationen“ gearbeitet hat. Es kommt vor, dass er Änderungen einarbeitet, die ihm ein Vorgesetzter durchgibt und gleichzeitig ein anderes Deck vorbereitet, zu dem 15 Minuten später ein Meeting stattfindet. „Es ist normal, in einer Telefonkonferenz zu hängen und mitzuschreiben, gleichzeitig die E-Mails im Blick zu behalten und parallel noch etwas anderes zu bearbeiten“, sagt er.

Mani gibt zu, dass es ein „krasser Tag“ war, sagt aber auch, dass es etwas „seltsam Erfüllendes“ habe, bis Mitternacht zu arbeiten. Ähnlich wie der Moelis & Co. Associate Amer Shaar dreht er die Musik immer lauter, je später es wird. Es macht ihm Spass, zu arbeiten, wenn um ihn herum alle ins Bett gehen. „Ich arbeite gern um diese Zeit“, sagt Mani. „Tagsüber ist es schwierig, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren, weil ständig neue Anfragen auf einen einprasseln… Aber abends, wenn die Kunden und Vorgesetzten nicht mehr am Schreibtisch sind, kann man endlich in seinem eigenen Tempo an Dingen arbeiten.“ Aus diesem Grund könne er nachts oft am besten arbeiten.

Das Arbeiten im Home Office hat für Mani Vorteile. Zwar hat er keine Kollegen um sich, aber sei froh, dass seine Eltern im gleichen Haus sind, er sich mit ihnen unterhalten und so aus der Finanzwelt, „die einen wirklich absorbieren kann“ auch mal ausbrechen kann. Wenn er um 20.30 Uhr noch arbeitet, kann er sich auf Firmenkosten Essen liefern lassen.

Das Video aus dem Januar ist nicht das erste, in dem Mani einen positiven Blick auf das Bankingleben wirft. In einem Video aus dem Juni letzten Jahres sagt er, dass Investmentbanking zwar lange Arbeitstage und „viele Opfer“ mit sich bringe, dass es aber nicht so schlimm sei, wie viele sagen. Weil Banken Aufgaben wie Formatierungen zunehmend automatisieren, werde das Arbeiten interessanter und weniger öde – sogar kleine Transaktionen hätten „feine Nuancen“, und seien dadurch „super interessant.“

Vor allem aber berichtet Mani, dass die Arbeitszeiten im Banking extrem unterschiedlich sein können. Während seines Praktikums berichtet Mani, dass er zwischen 8 und 9 Uhr im Büro ankam und gegen 23 Uhr gegangen ist. „Es gab viele Tage, an denen ich um 17, 18 oder 19 Uhr gegangen bin, aber es gab auch Tage, an denen ich bis 2, 3 oder 4 Uhr morgens im Büro war.“

Es gab während seinem Praktikum einen Tag, an dem Mani aufgrund eines Live Deals bis morgens um 6 Uhr im Büro war. „Es ist nicht so schlimm wie man denkt“, sagt er. „Tatsächlich ist es so, dass das Adrenalin einen trägt… Die Finanzwelt ist so volatil und die Transaktion kann innerhalb von Sekunden in sich zusammenbrechen.“

Aus diesem Grund sagt Mani, dass man im Investmentbanking bereit sein muss, lange Arbeitszeiten in Kauf zu nehmen. Um im Banking Erfolg zu haben, braucht man, so sagt er, „mentales Durchhaltevermögen“ und müsse akzeptieren, dass viel gearbeitet wird und die Arbeit Pläne durchkreuzen kann. Meistens, so sagt er, hätten Nachwuchsbanker aber die Wochenenden frei. „Ich habe definitiv den Eindruck, dass die Bedürfnisse rund um die Arbeitszeit bei jungen Bankern sehr viel mehr respektiert werden als das vor 10, 20 oder 30 Jahren der Fall war.“

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