Goldman Sachs-CEO irritiert über Jung-Banker, die es sich gutgehen lassen

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Goldman Sachs-CEO irritiert über Jung-Banker, die es sich gutgehen lassen

Als Analyst oder Associate in einer Investmentbank sehr viel zu arbeiten, galt lange als eine Art Ritus: Altgediente Banker mussten es, als sie jung waren. Junge Banker müssen es jetzt und in ein paar Jahren werden die heutigen Jung-Banker das Gleiche von der nächsten Generation erwarten.

David Solomon, CEO von Goldman Sachs, hat seinen Berufsweg nicht als Investmentbanker begonnen: Seine erste Station absolvierte er als Verkäufer von Schrottanleihen bei Drexel Burnham, dem Anleihehaus mit dem „Hobbes‘schen Managementstil“, das 1990 den Bach runter ging. Doch: Solomons Kollegen bei Drexel – denen es nach eigener Aussage einzig und allein ums Geld ging – waren Verfechter von strikten Arbeitszeiten. „Der Arbeitstag ging um Punkt 5 Uhr los, und nicht eine Minute später. Man kam zwischen 4:30 und 5 Uhr ins Büro und richtete sich ein“, berichtete ein früherer Mitarbeiter des Drexel-Kapitalmarktteams vor fünf Jahren im Gespräch mit Bloomberg.

Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, warum es Solomon sauer aufstösst, wenn Jung-Banker, die pandemiebedingt im Home Office sitzen und „bitte machen!“-Mails bearbeiten sollen, stattdessen zum Lunch in schicke Restaurants gehen. Nach Angaben von Bloomberg soll Solomon letztes Jahr in einem Restaurant auf den Hamptons einen Mitarbeiter angetroffen haben, der fröhlich einem anderen Tisch zuwinkte, wo ebenfalls Goldman-Sachs-Mitarbeiter beim Mittagessen sassen – und das mitten am Tag. Berichten zufolge geht dieses Erlebnis Solomon immer noch nach. Bloomberg berichtet, dass er die Anekdote regelmässig erzählt, wenn er sich über die leeren Büros bei Goldman Sachs auslässt – und die Begegnung dürfte ihn dazu bewogen haben, die Goldman-Sachs-Mitarbeiter so schnell wie möglich zurück in die Büros zu holen.

Die Goldman-Sachs-Mitarbeiter auf den Hamptons hatten vermutlich keine Ahnung, dass ihre Anwesenheit ihren CEO so nachhaltig irritieren würde. Und sie sind nicht die einzigen Junior-Banker, die die Vorteile der Arbeit im Home Office nutzen. Im Februar 2020 posteten Jung-Banker in Hongkong Fotos auf Instagram, die sie beim Wandern zeigten – und zwar während der Arbeitszeit. Ein 30-jähriger Banker aus New York hatte sich im Juni 2020 mit sieben Freunden in einem Haus in Maine eingemietet, um nach der Arbeit das Landleben zu geniessen und Rennrad fahren zu können.

Was spricht dagegen, dass Junior-Banker es sich auch mal gutgehen lassen und sich während der Pandemie auch um ihre mentale Gesundheut kümmern? Was genau Solomon an der Szene im Restaurant so auf die Palme gebracht hat, ist schwer einzuschätzen: Haben die Mitarbeiter dort mehrere Stunden zugebracht? Wurde Bier getrunken? Wurden E-Mails nicht beantwortet? Oder irgendetwas anderes getan, das sich während der Arbeit nicht gehört? Oder geht es einfach nur darum, dass ein Mittagessen ausserhalb des Schreibtisches ein Privileg ist, das Bankern am Anfang ihrer Laufbahn noch nicht zusteht?

Wie auch immer: Wenn junge Goldman-Sachs-Mitarbeiter das nächste Mal ihren CEO in einem Restaurant sehen, sollten sie versuchen, ihn zu ignorieren und hoffen, dass er sie nicht sieht, oder aber ihre Laptops auf dem Tisch ausbreiten und so tun, als würden sie gleichzeitig arbeiten. Bloomberg schreibt, dass Solomon hier mit zweierlei Mass misst: Schliesslich war er selbst ebenfalls Gast in dem Restaurant und hat ausserdem mehrfach Wochenenden auf den Bahamas verbracht. Ein Unternehmenssprecher von Goldman Sachs erklärte allerdings, dass Solomon an solchen Wochenenden „weiterhin arbeitet“ und an den darauffolgenden Montagen morgens „direkt wieder im Büro“ sei.

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