57-jähriger Banker setzt auf 18-Stunden-Arbeitstage

eFC logo
57-jähriger Banker setzt auf 18-Stunden-Arbeitstage

Dass Andrea Orcel ein glühender Verfechter von harter Arbeit ist, ist nicht neu: Er steht um 5 Uhr morgens auf, beginnt ab 6 Uhr, seinem Team Befehle zuzubellen und arbeitet dann bis spät in die Nacht. Sein Sport ist das Laufen, allerdings nicht im Flachland, sondern – für maximalen Impact – in den Bergen rund um Zürich. Ihm eilt der Ruf voras, dass er vor Wut schäumt, wenn ihm im Meeting von jemandem widersprochen wird. Er will der Beste sein. Für Mittelmässigkeit hat er eher wenig übrig.

Mittlerweile ist Orcel 57 Jahre alt und man könnte hoffen, dass langsam die Altersmilde einsetzt. Zwar wird er kaum in Hausschuhen vor dem Kamin sitzen, aber vielleicht einfach mal erst um 7 Uhr aufstehen, ein bisschen trödeln und dann Mails schreiben, in denen der Ton vielleicht etwas freundlicher ist.

Wer Banker bei Unicredit ist, wird es bald erleben. Wie die  Financial Times  berichtet, wird Orcel im Anschluss an die morgige Hauptversammlung den Chefposten bei Unicredit übernehmen. Für Orcel ist es der Höhepunkt seiner bisherigen Karriere: Als gelernter FIG (Financial Institutions Group)-Investmentbanker hat er bisher noch keinen CEO-Posten bekleidet. Der Unicredit könnte ein kleiner Schock bevorstehen.

Mit Orcels Vorgänger Jean Paul Mustier, einem ehemaligen Fallschirmjäger, haben die Banker der Unicredit bereits einiges durchgemacht. Ein in Europa tätiger Banker erklärte gegenüber der FT: „Die Leute dort haben schon einen Halbmarathon mit Mustier hinter sich. Er musste die Kultur stark verändern. Er hat angefangen, das Tempo anzuziehen. Der Tag beginnt nicht um 5, aber durchaus um 7 Uhr.“ Orcel könnte für weitere Unruhe sorgen: Eine kurze Durchsicht der Unicredit-Bewertungen auf Glassdoor zeigt: Kritik an schlechter Bezahlung und mangelnden Karrieremöglichkeiten, aber Lob für das „entspannte“ Arbeitstempo und die gute Work-Life-Balance.

So gesehen, könnte Unicredit der Traumarbeitgeber für junge Banker von Goldman Sachs sein. Durchaus möglich allerdings, dass die tiefenentspannten Unicredit-Mitarbeiter mit Orcel und seiner Haltung schnell kollidieren.

Wenn Orcel möchte, dass seine Leute bei Unicredit mehr Leistung bringen, sollte er sie – laut Glassdoor – vielleicht besser bezahlen. Als jemand, der so viel Rendite wie möglich machen will, wird er das jedoch wahrscheinlich nicht in Betracht ziehen. Das Problem ist, dass Orcel selbst bei Unicredit sehr gut verdienen wird: Er soll mit bis zu 7,5 Mio. € (9 Mio. $) im Jahr nachhause gehen, anders als sein Vorgänger Mustier, der 2020 911.000 € bekam. Die Gehaltskluft könnte zum Problem werden: Während Orcel mit einem Gehaltspaket startet, das (zumindest in Europa) branchenweit spitze ist, verdienen seine Mitarbeiter Gehälter, für die man sich nicht krumm macht. Wenn er deren Gehälter nicht erhöhen will, könnte Orcel beispielsweise ein paar Ex-UBS-Banker mit grösseren Gehaltspaketen als Tempomacher einstellen. Oder er könnte es genauso machen wie seine Mitarbeiter und auf einen Teil seines Gehalts verzichten und es einfach locker angehen lassen – denn das ist ja gerade durchaus angesagt.

Have a confidential story, tip, or comment you’d like to share? Contact: sbutcher@efinancialcareers.com

Bear with us if you leave a comment at the bottom of this article: all our comments are moderated by actual human beings! Sometimes these humans might be asleep, or away from their desks, so it may take a while for your comment to appear. Eventually it will – unless it’s offensive or libelous (in which case it won’t.)

Ähnliche Artikel

Close
Loading...
Loading...