Banken-VP schreibt „erbarmungslose“ E-Mails an Analysten

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Banken-VP schreibt „erbarmungslose“ E-Mails an Analysten

Wer heute VP in einer Investmentbank ist, sollte nachdenken, bevor er eine E-Mail abschickt.

In der neuen „Post-Goldman 13“ -Realität landen missmutige E-Mails, die früher lediglich ein paar vergeltende Abfälligkeiten ausgelöst hätten, auf Instagram und anderswo. Die letzte solche E-Mail stammt vermeintlich von Freitag letzter Woche und wurde vom VP einer unabhängigen US-Investmentbank verfasst, der genug davon hatte, dass seine Kommentare in einem Pitch-Dokument von seinen jungen Mitarbeitern nicht richtig umgesetzt wurden. Die Tatsache, dass die E-Mail in Grossbuchstaben formuliert wurde, lässt vermuten, dass der VP ziemlich verärgert war. Unterstrichen wird dies von Aussagen wie: „KÜNFTIG WERDEN ALLE ANWEISUNGEN UMGESETZT. IHR KONNTET EINE ÄNDERUNG NICHT UMSETZEN, DIE ICH ZUGESAGT HABE. DAS SIEHT DANN SO AUS, ALS HÄTTE ICH DIESE NICHT WEITERGEGEBEN… ICH HABE KEINE ZEIT ZU VERWSCHENDEN.“ (sic!)

Vordergründig scheinen die Kommentare des VPs recht vernünftig zu sein: Wenn man ein Team von Analysten hat, die nicht wissen, wie man Pitch-Unterlagen macht und man sie bei der Hand nimmt und genau erklärt, wie es geht, dann muss es frustrierend sein, wenn man ignoriert wird. Noch schlimmer ist, wenn eine Seite zum Thema Preisgestaltung aus einem ganz anderen Deal stammt und eigentlich herausgenommen werden sollte. Der VP entschuldigt sich zunächst sogar dafür, dass „es mit ihm durchgeht“.

Trotz alledem und obwohl es in der Vergangenheit weitaus schlimmere E-Mails gab (darunter z. B. die PJT-Mail, in der gefragt wurde, warum um 3 Uhr morgens nicht auf E-Mails reagiert wird), hat die oben genannte E-Mail es auf das Web-Forum Wall Street Oasis geschafft, wo sie als „erbarmungslos“ bezeichnet wird. „Absoluter Wahnsinn, dass so etwas in der Branche immer noch vorkommt“, schreibt die Person, von der der Post stammt. „Dieser Typ scheint ein Riesen-Ego zu haben“, ist in einem Kommentar zu lesen.

Die Schlussfolgerung ist, dass die Messlatte für die Kommunikation zwischen VPs und Analysten höher liegt als früher. Heute wird von höherrangigen Kolleginnen und Kollegen erwartet, dass sie auch dann noch Verständnis zeigen, wenn Analysten Mist bauen. Tun sie das nicht, riskieren sie, der öffentlichen Zensur ausgesetzt zu werden.

VPs, die selbst viele Überstunden machen, setzt dies zusätzlich unter Druck. VPs müssen mit jähzornigen Directors und Managing Directors fertig werden und gleichzeitig mit sanften Worten ein Team aus überarbeiteten Analysten und Associates bei Laune halten, die sich ohnehin schon vernachlässigt fühlen. Keine leichte Aufgabe.

Die E-Mail vom Freitag letzter Woche widerlegt auch die Annahme, dass Junior-Banker eigenständig an interessanten Aufgaben arbeiten können. „ALLES, WAS ICH EUCH SAGE, HAT EINEN GRUND, AUCH WENN ES NICHT SO AUSSIEHT“, schreibt der VP. „SEID AUFMERKSAM UND TUT, WAS VERLANGT WIRD. DAMIT HAT ES SICH. NICHT MEHR UND NICHT WENIGER.“ Um im Banking weiterzukommen, sollte man wohl eine einfache Weisheit befolgen: „Mach, was Dir gesagt wird.“

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