Eine umstrittene Figur verlässt die Deutsche Bank

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Eine umstrittene Figur verlässt die Deutsche Bank

Die Karriere von Louise Kitchen bei der Deutschen Bank ist zuende. Berichten zufolge ist sie zurückgetreten – gemeinsam mit stepped Jonathan Tinker, dem Co-Head of Global FX. Vorausgegangen war ein internes Ermittlungsverfahren über den angeblichen Fehlverkauf von Devisenderivaten an kleine Unternehmen in Spanien. Es gibt bei der Deutschen Bank einige, die ihren Abgang überfällig finden. Andere hingegen sagen, dass sie ungerechterweise ans Messer geliefert wurde – von (oft männlichen) Tradern und Bankern, denen sie in der Vergangenheit auf die Füsse getreten war und deren Geschäftsbereiche sie abgeschafft hatte.

Zuletzt leitete Louise Kitchen die Capital-Release-Unit bei der Deutschen Bank, eine Position, für die sie 2019 benannt wurde, als CEO Christian Sewing umfassende Umstrukturierungen bei der Bank ankündigte. Financial News bezeichnete sie  als „eine der einflussreichsten Frauen in der europäischen Finanzbranche 2019“ und merkte an, dass Kitchen eine der „komplexesten und wichtigsten Positionen“ bei der Deutschen Bank inne habe, mit der alleinigen Verantwortung für risikogewichtete Aktiva (Risk Weighted Assets) im Wert von 72 Milliarden Euro, darunter das Aktienderivate-Portfolio. Bis Ende 2020 waren die Risikoaktiva mehr als halbiert worden.

Es waren nicht nur ungewollte Vermögenswerte. Louise Kitchen, die mehrere CEOs erlebt hat, war bei der Deutschen Bank immer wieder mit der Abwicklung von Geschäftsbereichen betraut. 2013, als die Deutsche Bank noch von Anshu Jain und Jürgen Fitschen geführt wurde, war sie für die Schliessung des Commodity-Geschäfts zuständig, in dessen Zuge 100 Trader von jetzt auf gleich ihre Schreibtische räumen mussten. Ein Insider der Deutschen Bank sagt, Kitchen sei bei der Deutschen Bank die „Frau mit dem Beil“ gewesen. „Sie hatte einen schwierigen Job und machte ihn sehr gut“, sagt er und beschreibt sie als „geachtet und gefürchtet“. Kitchen habe Geschäftsbereiche nicht zum Spass abgewickelt, sondern „weil sie dazu aufgefordert wurde“, sagt er.

Auch wenn es einige gab, die Louise Kitchen für ihre Kompetenz schätzen, so wurde ihr Stil von vielen infrage gestellt. „So wie sie auf dem Trading Floor herumschreit, erinnert das an den Film ‚Wall Street‘ in den 80er Jahren“, klagte ein Deutsche-Bank-Trader 2019. „Sie denkt, wenn sie genug schreit, kriegen die Leute Angst und sind beeindruckt.“ Ein anderer bezeichnete sie als „kulturell schwierig“ und erklärte, es sei nicht einfach, mit ihr zusammen zu arbeiten, vor allem als junger Kollege.

Auf die Anfrage, ihren Ausstieg bei der Deutschen Bank zu kommentieren, kam von Louise Kitchen keine Reaktion. Fehlverhalten wird ihr nicht vorgeworfen. Bereits in der Vergangenheit war es ihr gelungen, Kontroversen zu überstehen: Ihre zweite Station nach ihrem Studienabschluss an der britischen Kingston University im Jahr 1991 führte sie zu Enron, dem Energiekonzern, der später infolge von Bilanz- und Unternehmensbetrug zusammenbrach. Kitchen selbst war in den Betrug nicht verwickelt, leistete als Junior-Gashändlerin aber Pionierarbeit im Online-Energiehandel von Enron – und zwar Berichten zufolge nach Feierabend und ohne das Wissen der leitenden Enron-Mitarbeiter, die gegen das Projekt ihr Veto eingelegt hatten. Enron brach am 2. Dezember 2001 zusammen, 2002 wechselte Kitchen als Managing Director und Head of Distribution and Structured Products, Energy zur UBS. 2005 wechselte sie auf eine ähnliche Position bei der Deutschen Bank und leitete dort bis 2019 grosse Teile des institutionellen Kundengeschäfts.

Der Abgang von Louise Kitchen bei der Deutschen Bank stellt das Ende einer Ära dar, über deren Charakter man allerdings streiten kann. Für die einen ist sie ein Teil der schnoddrigen Vergangenheit der Deutschen Bank und gehört zu den Bankern der „alten Schule“, ohne die die Bank besser dran ist. Für andere ist sie eine überdurchschnittlich fähige Frau, die durch die ihr übertragenen Aufgaben zu überzeugen vermochte.

„Jeder hat ein Verfallsdatum“, sagt ein Trader der Deutschen Bank. „Die eigentliche Frage ist, warum die Deutsche Bank gerade Leute ziehen lässt, die sich mit der Abwicklung von Geschäftsbereichen auskennen. Ist das ein Anzeichen dafür, dass die Zeit des Schrumpfens vorbei ist und es wieder auf Wachstumskurs geht?“ Die Antwort sei vermutlich „ja“.

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