Bekenntnisse einer Hegdefonds-Partnerin in 12-Zentimeter-Stilettos

eFC logo
Bekenntnisse einer Hegdefonds-Partnerin in 12-Zentimeter-Stilettos

Als Frau bei einem Hedgefonds hat man es nicht leicht. Dominique Mielle, ehemalige Partnerin bei Canyon Capital, einem Fonds mit einem verwalteten Vermögen von 25 Milliarden US-Dollar, beobachtet, dass die meisten Frauen in der Branche eigentlich gar nicht direkt bei Hedgefonds arbeiten, sondern als Bankerinnen, Accountants oder Anwältinnen am Rande stehen. Die, die tatsächlich in der Branche sind, bekleiden typischerweise „weiche“ Funktionen wie Marketing oder Investor Relations.

Zu dieser Sorte Frauen gehörte Dominique Mielle nicht. Sie ist seit 2018 nicht mehr dabei, war aber über 20 Jahre hinweg Investorin, dann Senior Portfolio Manager und Partner in einem Fonds für notleidende Anleihen.

In ihrer Biographie Damsel in Distressed schreibt Mielle darüber, wie es wirklich ist, als Frau knallhart und gleichzeitig sich selbst treu zu bleiben – und zwar in einer Branche, in der Männer dem Vernehmen nach Magnettafeln in ihren Büros hängen haben, auf denen „PUSSY“ zu lesen ist, oder wo Sätze fallen wie: „Willst Du sie vögeln? Kannst du machen. Sie arbeitet für mich.“

Frauen haben das Zeug dazu, Hedgefonds-Investorinnen zu werden

„Es ist eine weitverbreitete Fehlannahme, dass man in einem Hedgefonds entweder ein Mathe-Genie oder ein schmieriger Deal-Maker sein muss, um erfolgreich zu sein“, so Mielle. Investieren sei eine kreative Arbeit, es brauche „Vorstellungsvermögen, Einfallsreichtum und Mut, plus innovatives Denken und eine gewisse Intuition“.

Wenn man in notleidende Anleihen investiere, müsse man ausserdem „ein guter Zuhörer und aufgeschlossen sein, komplizierte Sachverhalte verständlich erklären können, gut verhandeln können und multitaskingfähig sein“.

Frauen, so Mielle, würden diese Fähigkeiten genauso mitbringen wie Männer. Was sie von Hedgefonds abschrecke, sei, dass Bereiche wie Mathematik und Finanzen nach wie vor eher mit Männern assoziiert würden.

Diese kulturellen Zuschreibungen führen dazu, dass Frauen „willkürlich unterschätzen, dass sie es schaffen können, eine Top-Karriere im Finanzbereich zu machen und es gar nicht erst versuchen“. Im Vergleich dazu, so Mielle, „überschätzen Männer das, was sie können und schmeissen sich direkt rein“.

Der Einstieg ist das, was schwer ist

Egal aus welchem Hintergrund man kommt – mit dem entsprechenden Talent kann man die Finanzbranche nutzen, um einen „explosiven Aufstieg“ hinzulegen. Mit Verweis auf Männer wie George Soros (der vor dem Nationalsozialismus geflohen war und sich sein Studium als Eisenbahner und Kellner finanzierte) oder Phil Falcone (der als eines von neun Kindern in einer „armen Familie in Minnesota“ gross wurde) schreibt Mielle, dass eine Hedgefonds-Karriere das Leben verändern kann. „Wenn man einen Fuss in der Tür hat und klug ist, kann man von einer Stelle bei einem Hedgefonds weit mehr als nur ein gutes Leben erwarten. Man kann ein Vermögen machen. Man müsse es nur hinein schaffen – das sei das, was schwer ist.

Frauen in Hedgefonds müssen energischer auftreten als Männer

Wenn Sie Portfoliomanagerin in einem Hedgefonds werden wollen, fangen Sie als Analystin an. Als Analystin müssen Sie Ihre Anlageempfehlungen verteidigen, wenn diese in Frage gestellt werden.

„Es gibt eine bestimmte Menge Kapital, das investiert wird“, so Mielle. „Wenn ein Analyst den Mut und die Überzeugungskraft hat, eine Investition von 100 Millionen Dollar durchzubringen, bleibt weniger Geld für die anderen.“

Als Frau Investment-Empfehlungen auszusprechen hätte, so Mielle, bei ihr das Gefühl geweckt, „energischer, aggressiver, hartnäckiger und risikobereiter“ sein zu müssen als ihre männlichen Kollegen. „Wenn jemand dachte, ich sei verletzlich und würde stillschweigend dabei zusehen – oder sogar dabei mitmachen – wenn mir jemand die Show stiehlt, dann hat er sich getäuscht.

Aus diesem Grund wurde Mielle intern als „der samtene Hammer“ bezeichnet (ihr eigener 10-jähriger Sohn sagt, sie sei „nett, könne aber auch an die Decke gehen“).

Es ist ok, energisch aufzutreten

„Natürlich weiss ich, dass es zum guten Ton gehört, dass Frauen, die an die Macht wollen, nett sein müssen und Ehrgeiz mit Wärme ausgleichen sollen“, sagt Mielle. „Und Aussenstehenden sei gesagt, dass hier die wahre Schönheit und Gerechtigkeit eines Investmentjobs liegt: Es geht darum, Geld zu verdienen. Am Ende zählt das, was auf dem Markt passiert und nicht das, was die Leute über dich denken. Im Laufe der Jahre wurde ich mit einigen pikanten Beinamen bedacht, darunter „Ballbuster“, „Bad Cop“ und –

mein persönlicher Favorit – „Saint Pit Bull“. Ich finde sie eher lustig und den letztgenannten mag ich besonders gern.

Sie müssen sich nicht aufbrezeln und auch nicht down-dressen

Weil am Ende allein der Finanzmarkt entscheidet, kann man wirklich man selbst sein. Mielle, die in Frankreich studiert hat, ist Fashion-Fanatikerin und liebt es, sich für das Büro schick zu machen. Zu ihrem Vorstellungsgespräch bei Canyon kam sie in 12-Zentimeter hohen Absätzen und wurde gefragt, ob sie sich für das Gespräch besonders aufgebrezelt habe. Als sie mit Over-Knee-Stiefeln im Büro erschien, fragte ein Kollege, ob sie gerade vom Reiten käme.

Männer in der Finanzbranche seien in der Regel eher kleinwüchsig, so Mielle, und wenn sie mit ihren Abätzen dann grösser war als sie, sei es schwierig geworden.

Aber es geht nicht darum, wie man aussieht. Wenn ihre Junior-Analysten von Tradern gefragt wurden, wie Dominique aussehe, entgegnete sie: „Ist die Anleihe billiger, wenn ich gut aussehe.“

Es gibt passiven Sexismus und es gibt aktiven Sexismus. Sie werden beides erleben.

Wenn Sie als Frau in der Hedgefonds-Branche besonders viel Pech haben, werden Sie die Art von aktivem Sexismus erleben, die Lauren Bonner 2018 in ihrer Klage gegen den Hedgefonds Point72 erhoben hat (Bonner hat sich im Jahr 2020 aussergerichtlich geeinigt, sodass die Vorwürfe nicht untersucht wurden). Wenn man einfach nur Pech hat, stösst man auf „vorgefasste Meinungen über Frauen, Klischees, gesellschaftliche Erwartungen, antiquierte Verhaltensweisen und hirnrissige Vorurteile“, die laut Mielle in der Luft hängen „wie der stechende Geruch von Testosteron“.

Im Fall von Mielle gehörte dazu ein Kunde, der sich weigerte, über die Vorteile einer Investition zu diskutieren, weil sie eine Frau war, oder ein Namensschild, auf dem sie als „Analyst“ bezeichnet wurde, obwohl sie Partnerin war, oder auch Meetings, die mit „Guten Tag, meine Herren“ begonnen wurden.

Frauen wollen das Geld genauso sehr wie Männer

Mielle hat die Branche mit Ende 40 verlassen und seitdem ihre Liebe zu Pferden und zum Polospiel entdeckt. Sie habe, so sagt sie, ihren Eltern jedes Jahr erzählt, wie viel sie verdient hat und für diese sei dies eine Art Abzeichen für Erfolg und Status gewesen. Sie gab das Geld aus für Diamantringe, für Kunst und für Mode.

Wenn Männer fragen, was man nach der Babypause vorhat…

Mielle hatte ursprünglich nicht vor, Kinder zu kriegen und hat jetzt zwei. Als sie ihre erste Elternzeit ankündigte und ein Analyst fragte, was sie mit der „freien Zeit“ anfangen wolle, antwortete Mielle: „Ich bringe das Baby zur Welt und werde mich dann betrinken... vielleicht Drogen nehmen.“

Sie merkt an, dass Männer nie gefragt würden, wie sie ihre Vaterrolle leben und äussert sich abfällig über die Behauptung von Paul Tudor Jones, wonach Stillen und Mutterschaft die Investitionsfähigkeit von Frauen zerstörten („Sobald die Lippen des Babys die Brust des Mädchens berührt haben, ist es vorbei“, hatte Jones 2013 auf einer Konferenz gesagt). „Aber sobald ein männlicher Trader Brüste sieht, die grösser sind als sein Kopf, wird jede Investitionsidee von dem Wunsch überwältigt, zu verstehen, warum er jetzt einen Steifen hat“, so Mielle.

Working Moms sind gut für Kinder

Mielle erinnert sich, wie sie einmal versehentlich auf dem Elternabend einer falschen Klasse gelandet war. „Ich gehe jede Wette ein, dass auch Mütter, die bei den Kindern zuhause sind und deren Leben sich nur um die Kinder dreht, Rabeneltern sein können. Es gibt dann nichts, das einen inspiriert, nichts, das einen neugierig macht, begeistert, freut oder persönlich erfüllt“, sagt sie. „Meine Meinung ist: Das Kind ist keine Verlängerung des eigenen Ichs…“

Sie können immer noch Werte haben

Mielle hat die Finanzwelt verlassen, weil sie der Meinung war, die Hedgefonds-Branche sei „aufgebläht“, aber auch, weil sie nicht glücklich war mit Amerika unter Trump und mit Kollegen von ihr, die für dessen Steuersenkungen votiert hatten, „aber seine soziale Agenda und seine persönlichen Ansichten ignoriert haben“. Ins Büro zu gehen, „war zu einer Last geworden“. Sie ist zum 1. Januar 2018 ausgestiegen und hat es keinen Tag lang bereut.

Have a confidential story, tip, or comment you’d like to share? Contact: sbutcher@efinancialcareers.com

Bear with us if you leave a comment at the bottom of this article: all our comments are moderated by human beings. Sometimes these humans might be asleep, or away from their desks, so it may take a while for your comment to appear. Eventually it will – unless it’s offensive or libelous (in which case it won’t.)

Ähnliche Artikel

Beliebte Berufsfelder

Loading...

Jobs suchen

Artikel suchen

Close