Praktikum inmitten von geschiedenen Tradern: Mir reicht es!

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Praktikum inmitten von geschiedenen Tradern: Mir reicht es!

Ich mache diesen Sommer Praktikum auf dem Equities-Trading Floor bei einer grossen amerikanischen Investmentbank in London. Bisher hatte ich vor, nach der Uni ins Aktiengeschäft zu gehen, aber was ich hier erlebe, lässt mich ernsthaft zweifeln.

Mindestens die Hälfte der Leute hier scheint geschieden zu sein. Es sind geldgierige Roboter, bei denen die Menschlichkeit scheinbar auf der Strecke geblieben ist und die keinerlei Interesse daran haben, sich mit Praktikanten abzugeben. Die Aktien-Abteilung hier gilt als eine der besten der Branche – die Kultur ist allerdings fürchterlich.

Die einzigen, die nett sind, scheinen die Leute aus dem Bereich HR zu sein – aber die haben nichts zu melden. Sie nennen die Dinge beim Namen, dringen damit aber nicht durch. Die Junior-Mitarbeiter (vom Analyst bis zum Vice President) sind in keinster Weise bereit, einem zu helfen. Es wirkt fast, als ob sie wollen, dass wir den gleichen Mist erleben, den sie früher mitmachen mussten – Schikane als Ritual sozusagen. Die Managing Directors sind Rassisten, scheinen sich dessen aber nicht bewusst zu sein. So musste sich eine schwarze Praktikantin anhören, ihr Stamm solle aufhören, gegen andere in den Krieg zu ziehen – und das obwohl sie das Land, aus dem ihre Eltern kommen, in ihrem ganzen Leben noch nie betreten hat.

Ganz generell ist Hilfsbereitschaft sogut wie nicht vorhanden. Ein Typ im Aktienbereich sagt den Praktikanten aus dem Ausland ständig: „Ihr seid hier in Grossbritannien, ihr müsst Englisch verstehen.“ Das erscheint mir ungerecht: Ich lebe schon lange in Grossbritannien und selbst ich tue mich schwer damit, bestimmte Fachbegriffe zu verstehen. Das hat nichts mit Sprachkenntnissen zu tun, sondern mit der Komplexität der Finanzprodukte.

Ich hatte es mir anders vorgestellt, doch das war wohl wenig realistisch. Die Bank beteuert, es gehe ihr um Diversity, doch das scheint nicht wirklich der Fall zu sein. Viele der Leute, denen ich hier begegne, scheinen vergessen zu haben, wie man mit anderen Menschen umgeht und sind unfähig, mit Menschen aus anderen Kulturen zu kommunizieren. Die warmen Worte rund um Diversity und Inklusion sind reine PR.

Vielleicht geht es nicht überall in der Bank so zu. Nach allem, was ich gehört habe, ist es auf dem Fixed-Income-Floor deutlich angenehmer. Im Investmentbanking soll es allerdings noch schlimmer sein. Es ist wirklich ziemlich frustrierend. Ich habe den ganzen Sommer über immer wieder mitbekommen, dass Leute gegangen sind und ich kann gut verstehen, warum.

Lauren Evans ist ein Pseudonym.

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