Geht es einem wirklich besser, wenn man bei Goldman Sachs kündigt?

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Geht es einem wirklich besser, wenn man bei Goldman Sachs kündigt?

Als ich letzten Sommer meine Stelle als Investmentbanking-Associate aufgegeben habe, war ich ganz wild darauf, den allseits begehrten Wechsel auf die Käufer-Seite zu machen. Nach drei Jahren als Banker war ich endlich im Private Equity angekommen. Kurz nachdem ich meine neue Stelle angetreten habe, hat sich aber leider herausgestellt, dass alles anders war, als ich es erwartet hatte.

Nach sieben Monaten beschloss ich, zu kündigen.

In den drei Jahren, in denen ich als Investmentbanker gearbeitet habe, schien es auf der Buy-Seite immer besser zu sein. Ich musste erst selbst die Seiten wechseln, um zu merken, dass das Leben als Private-Equity-Associate überraschenderweise sehr ähnlich war wie das, was ich hinter mir gelassen zu haben dachte. Die Arbeitszeiten waren mit Sicherheit nicht besser, es wurde eher noch mehr gearbeitet. Sogar die tagtäglichen Aufgaben waren in vielerlei Hinsicht ein Spiegelbild dessen, was ich drei Jahre lang als Investmentbanker gemacht hatte.

Im letzten halben Jahr habe ich mir viel Zeit genommen, um zu überlegen, was ich dadurch gelernt habe. Ich hoffe, dass diese Gedanken etwas Licht ins Dunkel bringen – über die falschen Vorstellungen, die ich immer hatte und dazu, was ich anders machen würde, wenn ich die Möglichkeit hätte, noch mal von vorne anzufangen.

  1. Stell deine Motivation infrage: Überlege, was genau du dir von deinem nächsten Job erhoffst. Prestige? Weiterentwicklung? Geld? Netzwerk? Man sollte überlegen, was geopfert werden kann, um eine Kombination aus den genannten Kriterien (und weiteren) zu erhalten.
  2. Verstehe, was erwartet wird: Bevor man einen neuen Job antritt, sollte man ein gutes Gespür dafür entwickeln, wie die Unternehmenskultur ist und wie Mitarbeitende behandelt werden. Was wird von Junior-Beschäftigten erwartet? Die ehrlichsten Antworten darauf bekommt man von anderen Junior-Mitarbeitern, die schon im Unternehmen sind.
  3. Nichts überstürzen: Man sollte sich nicht einreden, dass man aus dem Investmentbanking aussteigen muss, nur weil viele um einen herum das tun. Egal, in welchem Jahrgang – die meisten Analysten im Investmentbanking werden in zwei Jahren nicht mehr da sein. Das bedeutet nicht, dass man es genauso machen muss.

Eine der grössten Herausforderungen im Private-Equity-Recruiting sind die enormen Zeithorizonte. Ich habe den Arbeitsvertrag für meine Stelle im Private Equity 18 Monate vor meinem eigentlichen Einstieg unterschrieben. Zwischen der Unterschrift und meinem Stellenantritt hatten sich meine Prioritäten verändert.

Leider werden diese Zeitfenster im Recruiting in der Branche immer mehr zur Norm. Aus diesem Grund würde es mich nicht überraschen, wenn Geschichten wie meine eigene in den nächsten Jahren immer häufiger werden.

Adam Cotterill ist ehemaliger Associate bei Goldman Sachs. Er schreibt The Plug, einen wöchentlichen Newsletter zu Themen der Energiewirtschaft.

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