Der JPMorgan-Banker, der sich weigerte, für einen ausfälligen Chef zu arbeiten

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Der JPMorgan-Banker, der sich weigerte, für einen ausfälligen Chef zu arbeiten

Es gibt sie in jeder Bank: Managing Directors, die ihre Autorität dazu missbrauchen, Leute bis in die Nacht oder ins Wochenende hinein arbeiten lassen und Junior-Beschäftigte so um ihre Freizeit und ihren Schlaf bringen. Hinnehmen will das niemand, aber sich als Analyst dagegen zu wehren, ist nicht einfach. Die Banker bei J.P. Morgan haben jetzt glücklicherweise ein Vorbild: Einer, der gezeigt hat, dass man sich wehren kann.

Die Sunday Times berichtet, dass ein Banker bei J.P. Morgan mit Anfang 20 gebeten wurde, an einem Wochenende etwas scheinbar Dringendes zu erledigen, was er direkt am Montag früh einreichen sollte. Gesagt, getan – doch von dem Kollegen, der die Order gegeben hatte, fehlte am Montag jede Spur. Weder um 10 Uhr, noch gegen Mittag war er da. Um 13 Uhr tauchte er schliesslich auf. Auf die Frage, warum er jetzt erst erscheine, erklärte er, dass er einfach nur sichergehen wollte, dass die Arbeit „schön früh“ erledigt werde. Der Junior-Mitarbeiter entgegnete: „Aber Sie haben mir mein Wochenende vermasselt – und darum werde ich in Zukunft nicht mehr für Sie arbeiten.“

Bei dem genannten Junior-Mitarbeiter handelt es sich um Jamie Dimon, mittlerweile CEO bei J.P. Morgan. Der Vorfall ereignete sich nicht bei J.P. Morgan sondern bei Boston Consulting, wo Dimon nach seinem Studium (Psychologie und Wirtschaftswissenschaften) angefangen hatte. Zu der Zeit stand Dimon im Consulting auf der untersten Sprosse der Karriereleiter und hatte mit einem semi-sadistischen Partner an der Spitze zu tun. Von seiner Weigerung, wieder mit dem genannten Partner zusammenzuarbeiten, haben ihn Berichten zufolge mehrere Kollegen abbringen wollen – Dimon blieb allerdings hartnäckig und sagte, dass man ihn gerne entlassen könne. Kurz darauf verliess er das Unternehmen aus freien Stücken, um einen MBA an der Harvard Business School zu machen und ging anschliessend ins Banking.

Vielleicht war Dimon so furchtlos, weil das Consulting für ihn nur eine Zwischenstation war, doch sein Vorgehen zeigt: Einen schlechten Chef zu outen, kann sich lohnen – vorausgesetzt, man ist bereit, die damit einhergehenden Konsequenzen zu tragen (die darin bestehen können, dass man von einem verärgerten Partner oder MD zu Fall gebracht wird). Im Fall Dimon mag die Tatsache, dass er ohnehin einen MBA machen wollte, in eine andere Branche wechselte und seine Eltern mit Sandy Weill bei der Citigroup verdrahtet waren, seine Unnachgiebigkeit gefördert haben. Die Times mutmasst allerdings, dass es sich hier um eine seiner Charaktereigenschaften handelt: Jamie Dimon tut nur, was Jamie Dimon will.

Das Portrait von Dimon in der Times beinhaltet auch einige andere Schmankerl, etwa, dass „er in seiner Hosentasche ein zusammengefalteten Zettel hat, auf dem steht, wer ihm Gefallen schuldet und wem er Gefallen schuldet“, und dass Dimon angeblich von Citi gefeuert wurde, weil er Weills Tochter nicht befördert hat (und das, obwohl er bei Weill durchaus in der Schuld stand). Es gibt Kommentare von Bewunderern („Er ist sehr strategisch und sehr zupackend. Er kennt jedes Detail. Er hat einen analytischen Blick und antwortet schnell. Er ist sehr scharfsinnig, manchmal ein bisschen hart. Er steht immer zu seinem Wort.“) Aber es gibt auch Kommentare von Gegnern („Er ist der grosse Imperator. Er ist ein totaler Narzisst. Im Kern ist er ein amerikanischer CEO der 1960er oder sogar 1950er-Jahre, der an die totale Macht glaubt.“)

Letztgenannte Aussage – von jemandem, der J.P. Morgan „nicht im Guten“ verlassen hat und noch eine Rechnung mit Dimon offen hat – ist vielleicht nicht ganz unparteiisch, deutet aber darauf hin, dass Leute, die Dimons Technik an Dimon selbst austesten, vielleicht nicht so nachsichtig behandelt werden, wie er selbst mit Anfang 20. Dimon ist nicht dafür bekannt, seine Leute unnötig arbeiten zu lassen, hat aber dennoch einige unpopuläre Entscheidungen getroffen, etwa die Forderung, zurück zur Büropräsenz überzugehen. Dass Junior-Banker, die bei J.P. Morgan einfach im Home Office bleiben und sagen: „Feuern Sie mich“, 2022 noch im Unternehmen sind, ist schwer vorstellbar.

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