Wie kann ein Trading-Standort im Falle eines nuklearen Angriffs gesichert werden?

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Wie kann ein Trading-Standort im Falle eines nuklearen Angriffs gesichert werden?

Es ist eine absurde Frage, doch in der Welt der „Business Continuity“ verdienen Leute ihr Geld damit, sie zu stellen: Wie könnten Unternehmen im Falle eines Atomwaffeneinsatzes den Betrieb aufrechterhalten? Was könnte im Falle eines atomaren Konflikts ein alternativer Trading-Standort für Investmentbanken, Hedgefonds und elektronische Tradingunternehmen sein?

Die Doktrin der „Mutually Assured Destruction“ (MAD) lässt solche Fragen eher irrelevant erscheinen. Die grösste russische Atombombe, die sogenannte Zarenbombe, hat einen Wärmestrahlungsradius von fast 80 Kilometern – käme sie zum Einsatz würde sie Millionen von Menschen töten, ganz abgesehen von den Langfrist-Folgen von Strahlung und Klimaveränderungen.

„Das Ausmass des Schadens und der Zerstörung wäre beispiellos“, sagt Alex Wellerstein, Wissenschaftshistoriker am Stevens Institute of Technology, der sich auf die Geschichte von atomaren Waffen spezialisiert hat. „Die Probleme in unserer Versorgung und Logistik, die durch die Corona-Pandemie entstanden sind, zeigen, wie brüchig das aktuelle System ist. Stellen Sie sich nun vor, ein grosser Teil der Industrie, der Kommunikation, der Bevölkerung und der Infrastruktur wären völlig zerstört und weite Landstriche, darunter der Grossteil unserer landwirtschaftlichen Flächen, wären verseucht.“ Im Falle eines solchen Konflikts könnten ein Drittel der Bevölkerung sterben und zentrale staatliche Infrastrukturen ausgelöscht werden, so Wellerstein.

Auch innerhalb einer nuklearen Vernichtung gibt es Abstufungen. Wie Wellersteins 'NukeMap' deutlich macht, gibt es Bomben, die eine geringere Reichweite haben. Die Zarenbombe ist operativ unhandlich, im Falle eines – wie Wellerstein betont, unwahrscheinlichen – nuklearen Schlagabtausches könnten kleinere und strategischere Waffen eingesetzt werden.

Im Falle eines nuklearen Schlagabtausches würden die grossen Finanzplätze zusammenbrechen. In den ersten Tagen der Pandemie hatten Banken das Trading weg von den etablierten Tarding-Plätzen an Orte wie Basingstoke (UK) oder Westchester County (ausserhalb von New York) verlegt. Citadel Securities hatte seine Trader bekanntlicherweise im in Four Seasons Resort  in Palm Beach einquartiert. Bei Bridgewater hatten Beschäftigte zeitweise weitab ihres Headquarters von Zelten im Wald aus gearbeitet.

Im unvorstellbaren Szenario eines Atomangriffs wäre keine dieser Lösungen realisierbar, selbst wenn die Trading-Infrastruktur erhalten bliebe. Ein ehemaliger Goldman Sachs-Partner aus dem Marktes Business sagt, dass das Trading nicht an Back-Up-Standorte innerhalb des betroffenen Gebietes, sondern einfach an andere Standorte auf der Welt verlagert würde. „Dann würden andere Standorte die Zeitzone übernehmen“, glaubt er. „Wenn in London oder New York eine Atombombe fallen würde, würde man den Tradern in Asien sagen, dass sie übernehmen sollen.“

Auch Trader in Brasilien, Südafrika und Argentinien könnten einspringen. „Die südliche Hemisphäre würde wahrscheinlich nicht direkt angegriffen werden“, sagt Wellerstein. „Dort wäre man natürlich von einem plötzlichen Zusammenbruch der nördlichen Hemisphäre dramatisch betroffen – schliesslich leben wir in einer eng miteinander verknüpften Welt. Aber die physischen Schäden wären minimal – das Schlimmste wäre ein möglicherweise verändertes Klima, das sich negativ auf die Ernteerträge auswirken könnte.“

Eine solche Situation kann man sich nicht ausmalen. Doch weil Putins Drohungen als glaubhaft eingeschätzt werden, ruht die Hoffnung nun darauf, dass Diplomatie und Vernunft die Oberhand gewinnen. Wenn die Bedrohung abebbt, so der ehemalige Goldman-Sachs-Partner, könnte die wichtigste Konsequenz sein, dass einige Hedgefonds aus New York abwandern. „Das wird ein weiterer Vorwand sein, um nach Miami zu gehen.“

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