Frauen im Banking: „Die Top-Jobs gehen an Männer“

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Frauen im Banking: „Die Top-Jobs gehen an Männer“

Ich arbeite seit über 20 Jahren in einer Markets-Rolle im Investmentbanking, hauptsächlich in Europa. Ich habe herausragende Produkt-Kompetenz, grosse Kunden und kann auf eine stetige P&L-Generierung verweisen. Einen neuen Job zu finden, sollte für mich theoretisch kein Problem sein. Tatsächlich ist es aber so schwierig wie nie zuvor.

Ich suche seit mehr als einem halben Jahr eine neue Stelle als Managing Director. Ich bin immer wieder in die engste Auswahl gekommen und war mehrfach eine der beiden finalen Kandidaten. Jedes Mal hat die Zusage ein Mann bekommen. Und häufig waren deren Lebensläufe nicht so gut wie meiner.

Ich glaube nicht, dass ich hier absichtlich diskriminiert worden bin, aber ich denke, dass es sich dennoch um Diskriminierung handelt. Ich vermute, dass ich nicht genommen worden bin, weil ich eine Frau bin, und ich denke, dass die Männer es – warum auch immer – geschafft haben, in den Vorstellungsgesprächen einen besseren Draht zu den Interviewern aufzubauen – und die wiederum waren selbst immer männlich. Wenn zwei Männer aufeinandertreffen, entwickelt sich leichter ein Gefühl von Zusammengehörigkeit.

Das schadet Frauen. Je höher wir im Banking kommen, desto stärker dreht sich der Job um persönliche Beziehungen. Ich persönlich bin nicht verheiratet und habe keine Kinder. Ich habe mich dafür entschieden, die letzten 20 Jahre meiner Arbeit zu widmen. Ich habe ein grosses Netzwerk aufgebaut, zu dem Investoren, Asset Manager, Anwälte und Externe gehören. Ich kann auf Ergebnisse und Erreichtes verweisen, die belegen, dass ich kompetent bin und trotzdem gehen die Jobs nicht an mich, sondern an weniger qualifizierte Männer.

Es ist frustrierend. Es liegt in der Natur der Branche, dass es auf dem Managing Director Level weniger Frauen gibt. Ich habe mir meine Position hart erkämpft – ich habe immer wieder erlebt, dass männliche Kollegen, die weniger engagiert waren, Informationen bekommen haben, die mir vorenthalten worden sind. Ich musste ständig dafür kämpfen, am Ball zu bleiben und jetzt hinkt meine Jobsuche an etwas, das nicht greifbar ist.

Ich weiss, dass einige, die das hier lesen, der Meinung sind, dass Frauen in Investmentbanken Diversity-Programme zugute kommen, aber diese Ziele sind nichts als Marketing. Ich habe Kontakt zu vielen Banken aufgenommen, die Diversity-Ziele haben – und habe von vielen Headhuntern gehört, dass es Interesse an Bewerbungen von Frauen gibt. Ja, sie nehmen dich in die engere Auswahl – aber am Ende entscheidet ein Mann darüber, wer genommen wird. Und dieser Mann entscheidet sich für jemanden wie er selbst.

Marissa Archer ist ein Pseudonym

 

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