„Ich arbeite 80 Stunden pro Woche und bekomme von MDs zu hören, dass ich mich nicht beklagen soll“

eFC logo
„Ich arbeite 80 Stunden pro Woche und bekomme von MDs zu hören, dass ich mich nicht beklagen soll“

Vor etwas mehr als einem Jahr ist die Goldman Sachs Working Conditions Survey erschienen: Initiiert von einer Gruppe von Goldman-Sachs-Analysten – unter ihnen auch Joey Coslet, Sohn von Jonathan Coslet, dem Chief Investment Officer und Vice Chairman des globalen Investmentunternehmens TPG Capital –, löste die Umfrage einen Sturm der Entrüstung über die Arbeitsbelastung bei Banken aus. Es folgten verschiedene Versuche, diese abzumildern und schliesslich gab es für Junior-Banker – natürlich – kräftige Gehaltserhöhungen.

Hat sich ein Jahr später etwas geändert? Abgesehen von der Bezahlung lautet die Antwort wohl „nicht wirklich“. Joey Coslet ist laut FINRA immer noch bei Goldman Sachs und die Arbeitszeiten sind immer noch lang.

Das Web-Forum Wall Street Oasis hat im vergangenen Monat 485 User befragt. Es genügt, zu sagen, dass die Bankingjobs noch immer weit entfernt sind von 9-to-5 und sogar von 9-to-9: Die meisten Leute kommen im Schnitt auf sechs Stunden Schlaf pro Nacht und First- und Second-Year-Analysts haben 78-Stunden-Wochen.

„Die Gehälter sind in der Tat deutlich gestiegen“, sagt ein Associate der Bank of America Merrill Lynch. „Aber ich arbeite derzeit durchschnittlich über 80 Stunden pro Woche, und viele Wochenenden sind wieder zu ‚Arbeitstagen‘ geworden.“

Ein Analyst von Morgan Stanley bestätigt, dass die Schinderei andauert: „Die Arbeitszeiten sind sogar noch schlimmer geworden.“ Im Februar hatte uns ein Junior, der bei einer grossen Boutique arbeitet, erzählt, dass er mitunter „die ganze Woche über bis 2 oder 3 Uhr nachts arbeitet“ und dass Wochenendarbeit die Norm sei. Im März berichtete uns ein anderer Associate aus einem grossen Unternehmen, dass er von seinem VP regelmässig aufgefordert werde, samstags zu arbeiten, auch wenn der Samstag eigentlich sein freier Tag ist.

Einige Boutiquen (z.B. Ducera Partners) tun erst gar nicht so, als ob sie die Arbeitszeiten von Junior Associates herunterfahren wollen – aber das liegt vor allem daran, dass sie am oberen Ende des Gehaltsspektrums bezahlen (First-Year-Associates bei Ducera bekommen bis zu 490.000 Dollar im Jahr). Bei den Banken ist der Druck, die Arbeitszeiten zu begrenzen, allerdings real.

„Die Bedingungen sind unmittelbar nach Erscheinen der Goldman-Sachs-Umfrage tatsächlich besser geworden“, sagt der Bank-of-America-Associate. „Letztes Jahr hat mein Team einen Tagesplan von 8 Uhr morgens bis 20 Uhr abends eingeführt und so versucht, die Effizienz zu steigern und Burnouts zu reduzieren.“

Der Associate sagt jedoch, dass sich jetzt alte Muster wieder einschleichen und dass der Druck, wieder länger zu arbeiten, von den Managing Directors (MDs) ausgehe. „Die Chefs wollen, dass wir zu unserem früheren Lebensstil zurückkehren. Es gibt oft Kommentare wie: ‚Als ich Analyst war, haben wir jeden Tag 18 Stunden gearbeitet und nicht gejammert‘ oder ‚Nach der letzten Gehaltserhöhung wird hier hoffentlich niemand mehr aufmucken: Ihr bekommt eine absurde Summe Geld‘.“ James H. Donovan, Chairman of Global Client Coverage bei Goldman Sachs, erläuterte diese Haltung 2016 in einem Vortrag vor Studierenden: In seinen ersten zehn Jahren im Unternehmen habe er sich, so Donovan, „fast gekillt“. Er habe „die Nächte durchgearbeitet ohne nach Hause zu gehen und war überall auf der Welt unterwegs“.

Wie wir bereits an anderer Stelle geschrieben haben, hatten M&A-Banker im ersten Quartal immer noch gut zu tun, auch wenn die ECM-Deals in diesem Jahr stark eingebrochen sind: Die Umsätze bei Morgan Stanley sind im Vergleich zum Vorjahr um 72 Prozent nach oben gegangen. Nach Ansicht des Morgan-Stanley-Analysten trägt dies dazu bei, dass wieder bis in die Puppen gearbeitet wird: „Das Geschäft boomt.“ Aber nicht nur das: Mehr als je zuvor wandern Junior-Banker zu Private-Equity-Fonds ab, und das wird die Arbeitsbelastung bei jenen, die in der zweiten Jahreshälfte noch da sind, noch weiter verschärfen.

Klicken Sie hier, um sich bei eFinancialCareers zu registrieren und von Top-Recruitern im Finanzbereich entdeckt zu werden.

​​​Have a confidential story, tip, or comment you’d like to share? Contact: sbutcher@efinancialcareers.com in the first instance. Whatsapp/Signal/Telegram also available (Telegram: @SarahButcher)

Bear with us if you leave a comment at the bottom of this article: all our comments are moderated by human beings. Sometimes these humans might be asleep, or away from their desks, so it may take a while for your comment to appear. Eventually it will – unless it’s offensive or libelous (in which case it won’t.)

Ähnliche Artikel

Close