„Mit 31 bin ich im Banking schon dreimal entlassen worden“

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„Mit 31 bin ich im Banking schon dreimal entlassen worden“

Als wir Leigh Adams das letzte Mal begegnet sind, ging es ihm nicht gut. Im August 2016 hatte er als Sales Trader bei der Credit Suisse angefangen, im Dezember 2016 war er im Rahmen des ersten Sparprogramms von Tidjane Thiam, dem damaligen CEO der Credit Suisse, wieder entlassen worden. Es war nicht Adams' Schuld: Er war zur falschen Zeit am falschen Ort (Thiam selbst wurde knapp vier Jahre später selbst entlassen). Und es war sicher nicht das erste Mal, dass so etwas passiert ist.

„Mit gerade einmal 31 Jahren bin ich schon dreimal entlassen worden“, so Adams. „Das erste Mal war 2007 bei Merrill Lynch, dann bei Nomura, als dort die Aktienabteilung geschlossen wurde – und dann bei der Credit Suisse, als dort die gesamte Führungsriege im Aktienteam entlassen worden ist.“

„Ich habe mir dann einen anderen Job gesucht, den ich dann noch ein Jahr oder so weitermachte, aber irgendwann waren meine Ersparnisse weg und ich habe keine Zukunft mehr für mich gesehen.“

Adams war ein Sales Trader, ein „hochrangiger Verkäufer“, der mit Kunden über Trades beriet. Da sich das Trading zunehmend auf elektronische Handelssysteme verlagert, sterben Sales Trader immer mehr aus. Adam war Opfer einer evolutionären Entwicklung geworden.

„Ich liebe die Börse und das Trading und bin immer wieder zurückgekommen, auch als es scheinbar keine Zukunft mehr hatte“, erzählt er. „Als ich 2007 angefangen habe, zu traden, lagen die Provisionen bei 15 Basispunkten. Jetzt liegen sie bei drei. Ich habe angekämpft gegen die steigenden Ausgaben für Compliance-Personal, gegen MiFID II und dann gegen den elektronischen Handel, der das Trading mit engem Kundenkontakt komplett zerstört hat.“

Auch wenn ziemlich klar war, dass Sales Trading kein toller Beruf mehr war, sei es ihm nicht leichtgefallen, es hinter sich zu lassen, so Adams. „Man konnte dort so gut verdienen“, berichtet er. „Es ist echt schwer, einen Job abzulehnen, bei dem man mehrere 100.000 Dollar im Jahr verdient, denn wo sonst auf der Welt kann man so viel Geld verdienen? Und als Aktienhändler schienen meine Skills kaum auf irgendetwas anderes übertragbar zu sein. Etwas anderes zu finden, wäre also sehr schwer gewesen.“

Eine übertragbare Fähigkeit allerdings habe der Aktienhandel ihm vermittelt, so Adams, nämlich Resilienz. Nachdem er dreimal gefeuert worden war (und einmal freiwillig einen Tradingjob in Südafrika aufgegeben hatte, weil er zurück nach London wollte), wusste er, dass es schwere Zeiten gibt, aber dass auch wieder gute kommen. „Die Londoner City hat mir viele Auszeiten beschert“, sagt er. „Ob es nun die Kündigungen waren oder das Auskommen mit wenig Geld in Zeiten der Arbeitslosigkeit – ich habe Stärke und Resilienz entwickelt und gelernt, dass die Hoffnung zuletzt stirbt. Egal wie finster es ist, es gibt immer Licht am Ende des Tunnels.“

Als die Credit Suisse ihn weniger als sechs Monate nach seinem Einstieg wieder entlassen hatte, hatte sich Adams zunächst auf der Buy-Side beworben. Ein Hedgefonds hatte ihm einen Job als Execution Trader angeboten, der Handelsalgorithmen verwaltet – klar war allerdings, dass auch diese Tätigkeit mittelfristig automatisiert werden sollte. Adams beschloss daraufhin, nicht mehr nach Stellen im Trading zu suchen und sich stattdessen neu zu orientieren.

„Ich habe mir eine Auszeit genommen und eine Ausbildung zum Yogalehrer gemacht“, erzählt er. „Ich habe den Kopf frei bekommen und meinen Körper fit gehalten. Als Trader habe ich nur fünf Stunden pro Nacht geschlafen, denn man muss um 4.30 Uhr aufstehen, um vor Öffnung der Börsen im Büro zu sein – und abends ist man mit Kunden unterwegs. Ich hatte kein Leben.“

Nach dieser Pause entdeckte er etwas anderes für sich: Pflanzliche Arzneimittel, und zwar medizinisches Cannabis. Ein Freund von ihm aus Südafrika besass eine Lizenz für medizinisches Cannabis und Adams fing an, an Konferenzen zum Thema teilzunehmen: „Ich habe viele kluge Leute kennengelernt und sah, dass das eine wachsende Branche mit sozialer Verantwortung ist. Cannabis wird etwa zur Behandlung von Epilepsie bei Kindern eingesetzt, aber auch bei PTBS und Multipler Sklerose. In Grossbritannien allerdings gibt es wegen der stark regulierten Lieferkette kaum Zugang dazu.“

Genau bei dieser Marktlücke hat Adams angesetzt und einen neuen Marktplatz für pflanzliche Arzneimittel, einschliesslich medizinischem Cannabis, aufgebaut, der Fachleute aus dem Gesundheitswesen mit Anbietern zusammenbringt. „Wir stellen sicher, dass wir nur Ärzte und Apotheker auf der Plattform haben, und das ist unser Alleinstellungsmerkmal“, sagt er. „In Grossbritannien ist es illegal, Produktinformationen über Cannabis an Personen weiterzugeben, die nicht medizinische Fachkräfte sind.“

Adams befindet sich derzeit in der Seed-Finanzierungsrunde für die Plattform. Er möchte 1,5 Mio. Pfund zusammenkriegen – Interesse gibt es auch bei einigen seiner ehemaligen Bankkollegen.

Sein Leben ausserhalb der Finanzbranche sieht komplett anders aus – unter anderem hat er mittlerweile eine Freundin. „Ich arbeite immer noch viel, aber wenn meine Mutter mich anruft und mit mir eine Runde durch den Park drehen will, dann kann ich das jetzt machen. Früher konnte ich das nie.“

Weitere Informationen über Adams‘ Unternehmen B2Bgmp gibt es hier.

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