Für Recruiter
Die Personalsuche im Private Equity ist komplett verrückt.

Wie man einen Job im Private Equity kriegt? Indem man Vorstellungsgespräche zwischen 1 Uhr nachts und 8 Uhr morgens absolviert

Die diesjährige Recruiting-Runde im Private Equity (PE) ist angebrochen – und sie ist wahnsinniger als je zuvor. „Es läuft überall auf Hochtouren“, so ein Headhunter. „Es drehen alle durch“, sagt ein anderer.

Private-Equity-Fonds haben Junior Investmentbanker schon immer ungarnt und um Fachleute auf dem Analystenlevel erbittert konkurriert. Aber dieses Jahr scheint es besonders irrsinnig zu sein.

Laut dem Instagram-Account Litquidity führen große Fonds wie Oaktree, Advent, TPG, Carlyle und Blackstone bereits Bewerbungsgespräche. Für Vista, Hellman & Friedman, SilverLake und Thoma Bravo gilt dasselbe. In vielen Fällen haben die Vorstellungsgespräche nachts stattgefunden. Blackstone zum Beispiel soll gestern über Nacht gleich sieben Gespräche abgehalten haben. Bei anderen Unternehmen sind die Interviews um Mitternacht losgegangen.

Eine Anfrage zu den Gepflogenheiten ließ Blackstone unbeantwortet, doch Headhunter bestätigten, dass Vorstellungsgespräche mitten in der Nacht dieses Jahr in der Private-Equity-Branche gang und gäbe sind. „Ich kenne mehrere Unternehmen, bei denen manche Vorstellungsgespräche um 1 Uhr nachts begonnen haben und heute Morgen von 7 bis 8 Uhr fortgesetzt wurden“, sagt Anthony Keizner, Headhunter bei Odyssey Search Partners in New York City. „Von den Bewerbern wird erwartet, dass sie ihren Schlaf opfern – und das, obwohl sie gleichzeitig einen anspruchsvollen Job haben und Kunden vertreten.“

Die Personalsuche im Private Equity war immer schon wahnsinnig. Private-Equity-Fonds stellen gerne Juniorbanker ein – aber lange nicht jeden. Sie wollen nur die Besten der Besten – und diese werden dann in fieberhafter Eile hereingeholt. Vor der Pandemie wurde Top-PE-Fonds vorgeworfen, Juniorbanker abzuwerben, nur wenige Monate nachdem diese im Banking angefangen hatten. So führten einige Fonds bereits im September 2019 Vorstellungsgespräche mit Juniorbankern, die erst seit ein paar Wochen im Job waren und die bei den Fonds erst 2021 anfangen sollten.

Während der Pandemie vereinbarten die PE-Fonds von Keizner, es langsam angehen zu lassen und begannen erst im Mai mit Bewerbungsgesprächen via Zoom. „Letztes Jahr ist die Personalsuche zum ersten Mal seit zehn Jahren später als im Vorjahr losgegangen“, sagt er. „Es gab den Eindruck, dass man mit der Personalsuche warten sollte, bis alle wieder zurück in den Büros sind – das allerdings ist nicht passiert.“

In diesem Jahr finden die Vorstellungsgespräche im Private Equity wieder vor Ort statt. Keizner berichtet, dass PE-Fachleute nach New York City fliegen und sich in Hotels einquartieren und dort in Konferenzräumen Vorstellungsgespräche abhalten. „Die Schleusen sind geöffnet. Sobald ein Fonds mit Vorstellungsgesprächen anfängt, will keiner der anderen den Kürzeren ziehen. Keiner will aus den Resten picken und darum machen alle Angebote – und zwar sehr schnell und sehr aggressiv.“

In Europa läuft es anders ab. Auch dort erklären Private-Equity-Recruiter, viel zu tun zu haben, von Vorstellungsgesprächen um 3 Uhr nachts sind sie allerdings noch weit entfernt. „In Großbritannien läuft die Personalsuche bei Private-Equity-Unternehmen auf Hochtouren“, erklärt Charlie Hunt, Principal Consultant beim Private-Equity-Recruiter PER. „Es gibt kaum Kandidaten. Die Einstellung wird innerhalb von ein oder zwei Wochen abgewickelt – früher hat das Ganze oft Monate gedauert. Vorstellungsgespräche mitten in der Nacht erleben wir hier allerdings nicht.“

Wenn in New York City Vorstellungsgespräche nachts geführt werden, bedeutet das laut Keizner, dass die Fonds traditionelle Recruiting-Elemente wie das Case-Study-Interview  weglassen und sich stattdessen auf Dinge wie Mathematik, Logiktests und ihr Bauchgefühl verlassen. „In einem zusammengestauchten Recruiting-Prozess kann man nicht die übliche Due-Diligence-Prüfung durchführen und muss Kompetenzen mithilfe von Proxy-Methoden ermitteln“, sagt er.

Juniorbanker müssen in der Regel nicht lang davon überzeugt werden, ins Private Equity zu wechseln – schließlich sollen dort die Arbeitszeiten kürzer sein und die Vergütung beinhaltet einen Carried Interest, der als Kapitalgewinn und nicht als Einkommen besteuert wird. Dennoch sagt Keizner, dass die PE-Fonds ihre Gehälter angezogen haben, um mit den letztjährigen Gehaltserhöhungen an der Wall Street mitzuhalten. „In früheren Jahren haben Fonds Juniorbanker abgeworben, die insgesamt 150.000 bis 175.000 Dollar verdient haben. Jetzt verdienen dieselben Banker 200.000 bis 225.000 Dollar – und um hier mitzuhalten, bieten Fonds eine Garantievergütung von 300.000 Dollar im ersten Jahr an“, sagt er.

Banker, die in der laufenden Runde ein Angebot aus dem Private Equity bekommen, fangen erst im Jahr 2023 bei den Fonds an. „Es geht um Leute, deren Hochschulabschluss dann zwei Jahre her ist.“

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AUTORSarah Butcher Globale Redaktionsleiterin mit Sitz
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