Banker in Schwierigkeiten wegen vermeintlich unverschämten Verhalten im Skiurlaub

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Banker in Schwierigkeiten wegen vermeintlich unverschämten Verhalten im Skiurlaub

Wenn es eine Art von Firmenevent gibt, das für mehr Karriereabbrüche (und Scheidungen) verantwortlich ist als jedes andere, dann ist es der Skiurlaub mit Kollegen aus der Finanzbranche. Die Kombination aus frischer Luft, körperlicher Anstrengung und trügerisch starkem Glühwein scheint Banker dazu zu bringen, jeglichen gesunden Menschenverstand zu verlieren und alle Zurückhaltung über Bord zu werfen. Der neuste Fall ist angeblich der CTO des in Amsterdam ansässigen Unternehmens Flow Traders, der laut Bloomberg „angeblich einen männlichen Kollegen verprügelt hat, der als Ex-US-Präsident Donald Trump verkleidet war und dann eine weibliche Kollegin begrapscht haben soll“, so berichten „mit der Angelegenheit vertraute Personen“.

Die betreffenden Akteure haben „um Anonymität“ gebeten, weil „die Details nicht öffentlich“ seien und das Unternehmen (das sich – ebensowenig wie sein CTO – nicht öffentlich äussert) führt angeblich eine „interne Untersuchung infolge einer Beschwerde“ durch. Die Anschuldigungen könnten sich noch als falsch erweisen, obwohl der CTO seinen vormaligen Arbeitgeber bereits verlassen hat. So oder so, all diese Sätze werden bei Personalverantwortlichen ein Gefühl des Grauens hervorrufen und bei Bankern in einem gewissen Alter möglicherweise Schuldgefühle auslösen. Wenn Sie im Investmentbanking arbeiten, Skifahrer sind und die Boom-Jahre vor der Finanzkrise miterlebt haben, stehen die Chancen 50:50, dass Sie im Zusammenhang mit einem Skiurlaub in mindestens einen engen „Omerta“-Pakt verwickelt sind, dessen vollständige Einzelheiten nie ans Licht kommen sollen.

Die Ereignisse um Flow Traders sind in zweierlei Hinsicht ungewöhnlich – erstens, weil es nicht in ein kostspieliges Resort in den Alpen, sondern in die Copperhill Mountain Lodge in Schweden ging. Und zweitens scheint es sich um eine vom Unternehmen gesponserte „Firmenfeier“ gehandelt zu haben und nicht um eine Ad-hoc-Veranstaltung, organisiert von einem MD für ein bestimmtes Dealing Desk oder Bankenteam. Kommt es zu ungünstigen Vorfällen, sind diese schwieriger zu vertuschen – das Chaos ist aber immerhin über mehr Menschen verteilt und konzentriert sich nicht nur auf eine kleine Gruppe enger Kollegen, deren Arbeitsbeziehungen sich für immer verändern, wenn es vorkommt, dass sich welche von ihnen verprügeln oder miteinander schlafen – oder im Extremfall auch beides.

Die, die das Drama auslösen sind selten jene, von denen man es erwartet. Die erfahrenen Biertrinker und „überlebensgrossen Stimmungsmacher“, die in der heimischen Kneipe in Schwierigkeiten geraten, sind in der Regel einigermassen trinkfest. Viele von ihnen haben das Skifahren bei der Armee oder im Internat gelernt und assoziieren die Piste eher mit frühem Aufstehen und gesundem Leben als mit verrücktem Hedonismus.

Im Auge behalten muss man stillere Typen, denen die Bergluft zu Kopf steigt – und vor allem jüngere Banker, die frisch von der Uni kommen und das Gefühl haben, mit den Älteren mithalten zu müssen, weil sie sonst ihr Gesicht verlieren. Es lohnt sich auch, die Nicht-Skifahrer im Auge zu behalten, die „wegen der Gemeinschaft“ mitgefahren sind. Wer den Tag mit Spa-Behandlungen im Hotel verbringt, kann dabei solche Mengen an Alkohol zu sich nehmen, dass der Überblick gegangen ist, wenn es mit dem Apres-Ski losgeht. Jedes Chalet, das über einen Whirlpool oder eine Sauna verfügt, sollte auf jeden Fall als das Äquivalent einer tickenden Karriere-Bombe betrachtet werden. 

Wenn die Rundmail kommt, ist es am klügsten, sich eine Ausrede einfallen zu lassen. Umgekehrt kann es passieren, dass man im Banking so klug ist, dass man nie Spass hat. Solange man in der Lage ist, sich zu beherrschen, wäre es schade, sich eine solche Erfahrung entgehen zu lassen.

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