Brutale Arbeitszeiten, Mobbing und Bürokratie: Als Trader bei einer Bank

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Brutale Arbeitszeiten, Mobbing und Bürokratie: Als Trader bei einer Bank

Wer einen Job in der Finanzwelt will, in dem man gut verdient, aber auch ein Leben ausserhalb der Arbeit hat, sollte mit Sales and Trading  theoretisch gut bedient sein. Aus unserer neusten Gehalts- und Bonusumfrage geht hervor, dass Sales-Leute und Trader auf eine durchschnittliche Gesamtvergütung von 407.000 Dollar im Jahr kommen, gleichzeitig aber nur 55 Stunden pro Woche arbeiten. Das scheint durchaus attraktiv im Vergleich zum Bereich Investmentbanking, wo die Befragten 73 Stunden pro Woche arbeiten und im Durchschnitt mit 273.000 Dollar im Jahr nach Hause gehen. 

Das bedeutet aber nicht, dass Trader bei den grossen Investmentbanken rundum glücklich sind. Eine neue Studie* von Daphne Sobolev von der UCL School of Management in London legt nahe, dass Trader genauso viel zu klagen haben wie Junior-Banker. Und die Beschwerden sind oft ähnlich.

Sobolev hat Bewertungen auf Glassdoor analysiert, die zwischen Juni 2012 und Dezember 2021 von Leuten gepostet wurden, die – eigenen Angaben zufolge – Trader bei insgesamt zehn verschiedenen Investmentbanken waren (J.P. Morgan, Goldman Sachs, Bank of America, Morgan Stanley, Citi, Credit Suisse, Barclays, Deutsche Bank, Jefferies und UBS). Manche sind etwas veraltert (zitiert wird etwa ein Trader bei der Deutschen Bank, der die Kultur im Bereich Aktienhandel lobt), sie dürften aber dennoch die Grummelei abbilden, die Trader seit Jahrzehnten von sich geben.

„Die Arbeitszeiten können brutal sein, auch wenn man wirklich gern arbeitet“, so klagte ein Derivate-Trader bei Goldman Sachs im vergangenen Jahr. „Ich habe jeden Tag mindestens 12 Stunden gearbeitet”, schrieb ein Trader bei der Credit Suisse, ebenfalls im Jahr 2021. Ein Equity-Sales-Trader gab an, dass 10- bis 13-Stunden-Tage die Norm seien.

Sobolev hat zudem die Augen aufgehalten nach dem Führungsstil auf dem Trading Floor. Langjährige Trader haben seit Langem schon den Ruf, zu brüllen und jene, die angebrüllt werden, machen ihrem Ärger darüber auf Glassdoor Luft. 2020 schrieb etwa ein Trader von Morgan Stanley, die Bank sei eine „absolute Diktatur, in der der Führer alles daran setzt, Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl der Einzelnen zu zerstören und ein Umfeld schafft, in dem der Trader das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten verliert, und nur noch Angst davor hat, Geld zu verlieren“. Ein Trader der Credit Suisse beklagte letztes Jahr, dass er von den Kollegen „kaum Unterstützung bekomme – und das in einer Branche, in der es schwierig ist, zu lernen“. Er schrieb weiter: „Die Atmosphäre auf dem Trading Floor erinnert an ‚jeder-gegen-jeden‘, wenn es einem selbst nutzt, schmeisst man auch Leute aus dem eigenen Team unter den Bus.“

Es gibt auch Klagen über „Politik und Egos“ bei der Bank of America (allerdings aus dem Jahr 2014). Ein 48-jähriger Trader bei Goldman Sachs beschwerte sich letztes Jahr, dass das Machtgerangel zugenommen habe, je höher er in der Hierarchie gekommen sei. 2019 schrieb ein Trader von Citi dass es dort „zu viele Directors und Managing Directors gibt, die Befehle geben und selbst nichts machen“. Was die Arbeit zusätzlich erschwere, sei die veralterte Technologie (entsprechende Klagen gab es 2020 und 2021 von Leuten bei Goldman Sachs, Citi und J.P. Morgan). Zudem wird befürchtet, dass man gekündigt wird, wenn es schlecht läuft.

Im Trading zu arbeiten ist allerdings nicht nur schlecht. Sobolev entdeckte auch viele positive Seiten, darunter die Bezahlung, die tollen Erlebnisse, tolle Kollegen und die Spannung auf dem Trading Floor. „Man kann jede Menge Geld verdienen”, schrieb ein Goldman-Sachs-Trader 2020. „Die Leute sind alle extrem intelligent und das motiviert und ist interessant“, so ein Morgan-Stanley-Trader 2016. Ein Trader bei Barclays schrieb, dass die Bank „jeden Tag aufs Neue ein guter Arbeitsplatz“ sei, ein Morgan-Stanley-Trader schrieb, dass das Arbeiten auf dem Trading Floor einer der „spannendsten Jobs“ sei, weil man „erlebt, wie sich die Märkte bewegen und am weltweiten Wirtschaftsgeschehen teilnimmt etc“.

*The price of happiness: Qualitative analysis of the effects of organizational factors on traders’ work experience

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