Frankreich braucht mehr Banker, aber die wollen lieber in Mailand arbeiten

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Frankreich braucht mehr Banker, aber die wollen lieber in Mailand arbeiten

Paris floriert infolge des Brexit als Finanzzentrum, aber einige Banker und Trader sind in der französischen Hauptstadt nicht ganz glücklich. Sie wollen lieber in Mailand arbeiten.

Zuletzt hat auch Barclays sein Engagement in Paris verstärkt. Anfang dieser Woche gab die britische Bank bekannt, dass sie einen 12-Jahres-Vertrag für ein Büro in der Avenue Hoche 52 im 8. Arrondissement abgeschlossen habe, in dem zuvor J.P. Morgan Global Alternatives ansässig war. Das neue Büro hat eine Fläche von 11.500 Quadratmetern und soll 2024 bezogen werden. Ausgehend von Standard-Flächenberechnungen können in der Avenue Hoche bis zu 1.200 Mitarbeitende untergebracht werden.

Während Barclays in Paris Stellen schafft, stocken auch andere Banken und Hedgefonds ihr Personal auf. Citi expandiert. Goldman Sachs sucht in Paris 50 neue Trader und soll dem Vernehmen nach zwei Trading Books in die französische Hauptstadt verlegen. Die Bank of America schafft weiterhin Stellen und soll ihr Aktiengeschäft zugunsten der französischen Hauptstadt verlagern. Morgan Stanley plant, bis Ende nächsten Jahres 300 Mitarbeitende in Paris zu haben – vor wenigen Monaten waren es gerade einmal 200. Und auch Millennium Management und Citadel haben Teams aufgebaut.

Es spricht vieles für Paris. Als wir letzten Monat mit einer Junior-Traderin aus dem Bereich Equity Derivatives sprachen, berichtete diese begeistert von ihrem Weg zur Arbeit vorbei am Triumphbogen. Ältere Banker und Trader in der Stadt scheinen jedoch weniger angetan von dem, was Paris zu bieten hat. Das Problem ist die französische Steuerregelung für Expatriates („Inpatriates“).

„Ich sitze hier fest“, sagt ein Expat-Trader von einer US-Investmentbank in der französischen Hauptstadt. „Im Moment sind 30 Prozent meines Einkommens steuerfrei, aber wenn ich zu einer anderen Firma wechsle, verliere ich meinen Freibetrag. Ich kann nicht wechseln.“

Im Rahmen der Inpatriates-Regelung können Banken in Frankreich 30 Prozent des Gehalts von „Expatriates“ zu einer sogenannten „Inpatriierungsprämie“ erklären, die dann von der Steuer abgesetzt werden kann. Dieser Abzug ist jedoch an verschiedene Voraussetzungen geknüpft, etwa an die Bedingung, dass die Expats beim selben Arbeitgeber bleiben müssen. „Wenn ein Banker, der für Goldman Sachs arbeitet, zu J.P. Morgan wechselt, verliert er oder sie den Vorteil der Regelung“, so Bernard Oury, Steuerexperte bei EY in Paris, letztes Jahr im Gespräch mit uns. 

Das Ergebnis ist, dass Expat-Banker, die nach Paris ziehen, feststecken. „Leute, die zurück nach Paris ziehen, sind im Grunde genommen eingesperrt“, so ein Quant-Recruiter. „Die Inpatriates-Regelung ist ein Negativfaktor. Die Leute können deshalb ihren Arbeitsplatz nicht wechseln“, bestätigt Stéphane Rambosson, Co-Founder von Vici Advisory. Die Folge: Der französische Arbeitsmarkt im Bankwesen ist vergleichsweise wenig lukrativ und einige französische Banker und Trader äussern, dass sie in ihren aktuellen Positionen unzufrieden sind oder sogar gemobbt würden.

Wenn nicht nach Paris, wohin dann? Rambosson sagt, dass viele Banker und Trader lieber nach Mailand gehen, wo es Steuervergünstigungen von bis zu 70 Prozent gibt, die nicht an das Verbleiben bei einem bestimmten Arbeitgeber gebunden sind. „Um ehrlich zu sein, ist das Paket in Italien viel attraktiver und es wollen viele dorthin“, sagt er.

Ein Senior-Trader in Paris bestätigt das. „In Europa ist Italien der ‚place to be‘. Ich könnte dort 70 Prozent meines Einkommens steuerfrei erhalten“, klagt er.

Banken mit Trading Floors und Büros in Mailand berichten, dass sie von der Begeisterung für das Land profitieren würden. Insbesondere die Unicredit hat dem Vernehmen nach eine Reihe von neuen Leuten für ihr Mailänder Büro gewinnen können, von denen einige bislang in London waren (wie Sebastian Belaustegui, der vor Kurzem von der Deutschen Bank in den Bereich Strategic Equity Solutions gewechselt ist). Ein Trader sagt, dass das Mailänder Büro von Eisler Capital nur aus diesem Grund überhaupt eröffnet worden sei.

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