„Ich habe einen Private Equity-Job mit 600.000 Dollar Jahresgehalt gekündigt“

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„Ich habe einen Private Equity-Job mit 600.000 Dollar Jahresgehalt gekündigt“

Leute wie Grace Kim sind gefragt – bei Banken, bei Private-Equity-Fonds und wahrscheinlich auch bei Hedgefonds. Sie ist klug. Sie hat gezeigt, was sie kann –zunächst in der M&A-Gruppe von Morgan Stanley und dann im high-growth Public-Markets-Investitionsfonds bei General Atlantic. Und sie ist eine Frau.

Sie erfüllt alle Voraussetzungen und dennoch hat Kim vor wenigen Wochen ihre Karriere in der Finanzbranche an den Nagel gehängt und in einer Art und Weise gegen ihren früheren Arbeitgeber gewettert, wie es zuletzt vor zehn Jahren passiert ist, als Greg Smith bei Goldman Sachs gegangen ist. Kim äussert sich – anders als Smith – nicht in der New York Times, sondern auf Social Media, wodurch ihre Vorwürfe noch roher, wütender und weit weniger geschönt sind als Smiths Kritik an Goldman Sachs.

Der Ton, in dem Kim sich geäussert hat, lässt so manche in der Branche an ihrem Verstand zweifeln. Als wir mit ihr gesprochen haben, wirkte sie allerdings durchaus bei Sinnen, war redegewandt – und wütend.

„Von den Leuten, die integer sind, kehren viele der Branche den Rücken“, sagt Kim. „Was bleibt, sind Menschen, die schwach sind und sich ausbeuten lassen.“ Die Branche wolle junge Menschen, die loyal sind und bereit dazu sind, sich ausnutzen zu lassen, sagt Kim: „Diese Typen gehen nicht davon aus, dass süsse asiatische Frauen mit 1,70 Meter ihren eigenen Kopf haben. Sie gehen davon aus, dass wir weiterhin nach ihrer Pfeife tanzen werden. Aber ich bin unbequem – ich bin nicht bereit, meine komplette Zeit und Energie und meine IT-Skills herzugeben.“

Kim hatte 2016 ihren Bachelor in Finance und Data Science an der NYU Stern gemacht. Sie war gute zwei Jahre im Bereich M&A bei Morgan Stanley und ging dann 2019 zu General Atlantic. Zunächst arbeitete Kim im high-growth Private-Markets-Investmentteam und wechselte dann im März 2021 in ein neues Team, wo sie die Gründung eines wachstumsstarken North-Atlantic-Public-Investmentfonds mit zwei weiteren Investoren leitete.

General Atlantic hat auf die Bitte um eine Stellungnahme für diesen Artikel nicht reagiert – Kim hatte dem Unternehmen unter anderem vorgeworfen, dass sie während ihrer Zeit dort keinen Carried Interest erhalten habe, obwohl sie die meisten der Analysen, die die Investitionen des Fonds angetrieben haben, erstellt habe und obwohl andere im Team Carried Interest erhalten hätten. „Junge Leute sind absolut in der Lage dazu, besser zu sein als ihre MDs, müssen aber jahrelang warten, um deren Gehaltsniveau zu erreichen“, sagt sie.

Als sie bei Morgan Stanley ging und ins Private Equity wechselte, habe sie eine bessere Work-Life-Balance erwartet, so Kim. Zunächst sei das auch der Fall gewesen. Aber dann kamen die Pandemie und das Arbeiten im Home Office. „Ich habe ähnlich viele Überstunden gemacht wie im M&A, aber in einem anderen Tempo“, sagt sie. „Bei Fusionen und Übernahmen ist man entweder voll beschäftigt oder tut gar nichts, aber ich habe die ganze Zeit gearbeitet. Ich hatte kein einziges freies Wochenende – ich war motiviert, ich wollte, dass der Fonds gut abschneidet, aber mir wurde nicht ermöglicht, daran zu verdienen.“

Obwohl sie keinen Carried Interest erhielt, wurde Kim nicht gerade schlecht bezahlt. Sie erklärt dass GA ihr mitgeteilt habe, dass sie in diesem Jahr fast 600.000 Dollar verdienen würde, wenn der Fonds gut abschneidet. Als sie kündigte, liess sie diese Summe auf dem Tisch liegen.

Als sich Anfang dieses Jahres der Zusammenbruch der Technologiemärkte abzeichnete, auf die sie sich spezialisiert hatte, habe sie Schmerzen im Herzbereich und Herzrasen entwickelt, so Kim. Sie wurde wegen Stress und Angstzuständen ins Krankenhaus eingeliefert, durfte dann aber wieder gehen. Das war ein weiteres Signal, dass es an der Zeit war, auszusteigen: „Mein Bereich ist im Moment nicht in Mode, es sei denn, man setzt auf Leerverkäufe, aber ich bin eher Optimistin.“ Im Mai 2022 kündigte sie.

Kim sagt, sie lebe derzeit von ihrem Ersparten und denke darüber nach, was sie als Nächstes tun wolle. Auf ihrem Twitter-Account hatte Kim angedeutet, dass sie „OnlyFans“ als Nebenverdienst in Betracht zieht, dass sei – so sagte sie uns – aber ein Scherz gewesen. Die Finanzleute, die sie beschimpfen, würden ihren Sinn für Humor nicht verstehen. Es ist noch zu früh, aber sie sagt, dass sie eine Künstlerin im Stil einer „modernen Renaissance-Frau“ werden wolle, die Dinge kreiert. „Letztlich bin ich immer noch in erster Linie Geschäftsfrau.“

Eines Tages wird Kim vielleicht in die Finanzbranche zurückkehren, aber wenn, dann nur bei einem progressiven Fonds mit einem egalitären Ethos. Sie nennt kleinere Unternehmen, die allen Mitarbeitenden Anteile und Carried Interest anbieten und die Executive Assistants in den Urlaub schicken. Die meisten ihrer Freunde seien jedoch in der Kunstbranche. „Die Leute in der Finanzwelt halten sich für intelligent und allen anderen überlegen“, sagt Kim. „Aber das ist nicht der Fall. Mein persönlicher Freundeskreis besteht aus DJs und Künstler:innen. Die Leute in der Finanzbranche müssen anerkennen, dass es auch anderswo intelligente Menschen gibt.“

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