400.000-Euro-Bonus löst Wutanfall bei Banker aus

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400.000-Euro-Bonus löst Wutanfall bei Banker aus

Es ist bekannt, dass man nicht lächeln sollte, wenn einem in einer Investmentbank gesagt wird, wie hoch der Bonus ausfällt. Jeder Ausdruck von Dankbarkeit könnte als Freibrief dafür ausgelegt werden, im nächsten Jahr weniger zu zahlen. Am besten fährt man mit Gleichgültigkeit, aber wenn der Bonus wirklich viel niedriger ausfällt als erwartet, könnte eine offen zur Schau gestellte Enttäuschung einem beim nächsten Mal durchaus helfen.

Als Fabio Filippi, italienischer Senior Sales-Mitarbeiter bei BNP Paribas, im März 2017 mitgeteilt bekam, dass sein Bonus 400.000 Euro betrug, entschied er sich für letztere Variante und machte seinen Frust öffentlich. Das Problem war die Vorgeschichte: Filippis Bonus hatte 2014 625.000 Euro und 2015 540.000 Euro betragen. Ein Bonus von 400.000 Euro für 2016 war ein weiterer Rückgang und Filippi sorgte dafür, dass sein Unmut bei seinen Vorgesetzten wahrgenommen wurde.

Vor Kurzem sind Dokumente zum Verfahren veröffentlicht worden, in dem es um seine anschliessend folgende Entlassung ging. Hieraus geht hervor, dass Filippi über die seiner Meinung nach zu geringe Bezahlung verärgert war. Er sprach von „gerade mal“ 400.000 Euro. Er schrie. Er sagte, er werde ungerecht behandelt, weil er kein Franzose sei und nicht in Paris sitze. Er erklärte, er sei der beste Manager in seinem Umfeld. Und er sagte, er könne innerhalb weniger Tage einen neuen Job finden, wenn er wolle. Dann ging er, ohne „tschüss“ oder „Danke“ zu sagen.

Wenn das die Methode ist, beim nächsten Mal einen höheren Bonus zu erhalten, scheint sie nicht funktioniert zu haben. Es scheint vielmehr, dass Filippis Wutausbruch ihn nur noch weiter in Richtung Entlassung getrieben hat. Als Head of Distribution Retail Sales in Italien hatte er eine tolle Performance erbracht und war in eine guten Richtung unterwegs. Als er im Dezember 2013 nach Mailand wechselte, bekam er ein höheres Gehalt als sein Chef. Zudem waren 80 Prozent seiner Wohnkosten übernommen worden und nicht nur die damals bei BNP Paribas üblichen 50 Prozent. Doch dann ging es mit seiner Leistung bergab.

Filippi war offiziell kein MD, doch er führte ein Team mit knapp 20 Mitarbeitenden und war damit das, was bei den meisten Banken einem MD entspricht. 2013 war seine Leistung mit „3“ bzw. „übertrifft die Erwartungen“ bewertet worden, sein eigener Beitrag zu den Umsätzen des Teams war allerdings mit „5“ („blieb hinter den Erwartungen zurück“) bewertet worden, weil er selbst keine Primären Trades initiiert hatte. 2016 wurde er insgesamt mit „4“ („den Erwartungen entsprechend“) bewertet – und auch wenn er für seine Delegierungs-Fähigkeiten gelobt wurde, zeigte sich die Bank weniger zufrieden mit seinen eigenen Kundenbeziehungen oder der Art und Weise, wie er das Team führte und Feedback gab. In den folgenden Monaten hatte ein „talentierter Nachwuchsmitarbeiter“ gekündigt, weil Filippi seine Bedenken bezüglich des Inhalts und der Entwicklung seiner Arbeit konsequent ignoriert habe. Und ein leitender Angestellter äusserte Unzufriedenheit mit Filippis Managementmethoden.

Und es gab noch weitere Probleme. Filippi äusserte intern Bedenken gegen die Einschaltung eines Vermittlers beim Verkauf von Zertifikaten an italienische Privatanleger und begründete dies damit, dass es sich um „unseriöse Vermittler“ handele und dass die gezahlten Provisionen „gegen die geltenden Vorschriften und gesetzlichen Verpflichtungen“ verstiessen. Als er nach Italien umgezogen war, merkte Filippi, dass er auf die in UK erworbenen aufgeschobenen Cash-Boni sowohl in Italien als auch im Vereinigten Königreich Steuern zahlen musste, sodass BNP ihm Geld leihen musste, damit er seine Verpflichtungen erfüllen konnte. Als die Bank im Jahr 2016 versuchte, das Geld zurückzufordern, wurde Filippi depressiv und meldete sich acht Wochen krank.

Letztendlich stellte das Gericht fest, dass BNP Filippi entliess, nachdem sie entschieden hatte, dass „seine Anwesenheit im Team aus geschäftlicher Sicht nicht mehr sinnvoll war“. Obwohl Filippi in seinem Wutanfall behauptet hatte, dass er sofort eine neue Stelle finden könne, wurde ihm zunächst eine Frist von sechs Monaten eingeräumt, um eine neue Stelle zu finden – er bat dann jedoch um 12 bis 18 Monate, weil er meinte, sechs Monate seien nicht genug. Anschliessend sah sich die BNP gezwungen, ihn aus Italien abzuziehen (um hohe italienische Abfindungen zu vermeiden) und es vergingen weitere neun Monate, bis Filippi schliesslich im Februar 2018 entlassen wurde.

Aus Filippis LinkedIn-Account geht hervor, dass er seitdem nicht mehr im Bankwesen tätig ist. Er vermietet mittlerweile Urlaubsunterkünfte in London, Ibiza und Verbier. Auf seiner Website heisst es, er habe „seine Berufung gefunden, nachdem er das Banking hinter sich gelassen“ habe. Anstatt über seinen Bonus zu jammern, setzt er seine Energie jetzt lieber für andere Dinge ein.

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