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Im Gedenken an Anshu Jain.

Anshu Jain: Der Banken-CEO, der im Urlaub das Handy ausmachte

Anshu Jain, ehemaliger CEO der Deutschen Bank ist vor Kurzem mit 59 Jahren an Krebs gestorben. Er war aus vielen Gründen beliebt.

Unter seiner Führung wurde bei der Deutschen Bank nicht nur gut, sondern außerordentlich gut bezahlt. Jain selbst verdiente Berichten zufolge in den Boom-Zeiten Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre bis zu 30 Mio. Dollar im Jahr. Trader bei der Deutschen Bank gingen standardmäßig mit 10 bis 20 Mio. Dollar nach Hause, bei manchen war es sogar noch mehr: Christian Bittar, ein 36 Jahre alter französischer Rates-Trader, den Jain zu seinen Lieblingen zählte, verdiente kurz vor der Finanzkrise in einem einzigen Jahr 140 Mio. Dollar (wenig später landete er wegen der Euribor-Manipulation im Gefängnis). Unter Jain wurden die Trader der Deutschen Bank bejubelt und mit Geld überschüttet – 2007 ließ er für sie die Rolling Stones für ein Konzert in Barcelona einfliegen.

Gelobt wird Jain allerdings nicht wegen seiner Großzügigkeit, sondern wegen seines Charakters. Obwohl er einer der bestbezahltesten Banker seiner Generation war, bleibt Jain in Erinnerung als einer, der bescheiden war, intellektuell und Sinn für Ästhetik hatte – aber auch als einer, der unbedingt gewinnen wollte.

James Davies, aktueller Head des amerikanischen Investmentbanking bei der Deutschen Bank, erinnert sich an seine erste Begegnung mit Anshu Jain: Bei Kricket-Spielen sei dieser von einem anfliegenden Ball umgehauen worden, er sei aber direkt wieder aufgestanden und habe auf den nächsten Ball gewartet. „Die Eigenschaften, die er auf dem Spielfeld zeigte – Führungsstärke, Mut, Loyalität und unbedingten Siegeswillen kennzeichneten auch sein Verhalten auf dem Trading Floor“, so Davies.

Garth Ritchie, ehemaliger Head des Deutsche-Bank-Investmentbankings, sagt dass Jain wegen seines „Intellekts und seines kompetitiven Wesens” in Erinnerung bleibt und dass er dankbar sei für alles, was Jain ihm beigebracht und geraten habe – und wegen dessen stetiger Aufforderung „gimme putts“(„liefer mir Treffer“).

Auch wenn Jain als Kennzeichen für seinen Erfolg gern gut verdienen wollte, entsprach er nicht dem Stereotyp des Bankers, der mit Geld um sich wirft. Während seiner Zeit bei der Deutschen Bank wohnte er in einem „vergleichsweise bescheidenen“ Haus in West-London. Geboren worden war er in die asketische Jain-Religion. Er aß kein Fleisch und keine tierischen Produkte. Er liebte wilde Tiere und Tierfotografie. Sein Vater scheint ähnlich gewesen zu sein: Berichten zufolge soll Anshu Jain seinem Vater einen BMW gekauft und einen Fahrer angestellt haben, doch der Vater verzichtete und kaufte sich stattdessen einen Tata Nano.

Jain konnte enorm kompetitiv sein (und besetzte darum bei der Deutschen Bank häufig Positionen doppelt), und doch loben Freunde seine Freundlichkeit, seine Menschlichkeit und Großzügigkeit. Einer berichtet, dass seine Frau 2018 gestürzt sei und Jain all seine Informationen und Kontakte aus seinem eigenen Kampf mit dem Krebs geteilt habe.

Jain hat die Deutsche Bank 2015 verlassen und wurde 2017 President von Cantor Fitzgerald. Im selben Jahr kam die Krebsdiagnose. Trotz seiner Krankheit trat er weiter auf Veranstaltungen auf und sprach 2020 auf dem Welt-Wirtschafts-Forum. Als er im Januar 2017 seine Krebsdiagnose erhielt, wurde ihm gesagt, dass er noch ein Jahr zu leben hätte, doch nach Angaben seiner Familie habe er seinen Tod dank exzessiver eigener Recherchen, taktischer Fähigkeiten, tollem Pflegepersonal und schierer Willenskraft herausgeschoben.

Jain konnte allerdings auch abschalten. Andrew Kent, ehemaliger European Head of Equity Index Volatility Trading, erinnert sich, dass Jain gesagt habe, dass sein Handy aus ist, wenn er im Urlaub oder auf Safari ist, damit er die Zeit mit seiner Familie genießen könne.

Anshu lässt seine Frau und zwei Kinder zurück, Aranya und Arjun. Arjun hat seine berufliche Laufbahn bei J.P. Morgan begonnen und ist jetzt im Bereich Venture Capital tätig. Aranya war ein Jahr lang im Cross Asset Sales bei Goldman Sachs und arbeitet jetzt in der Verlagswelt.

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AUTORSarah Butcher Globale Redaktionsleiterin mit Sitz
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