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„Übergewicht haben geht im Banking nur, wenn man älter und sehr erfolgreich ist“

Warum Banken Leute wollen, die schlank und reich sind

Banker werden (zumindest im Vereinigten Königreich) wieder zum Staatsfeind Nummer eins – und es kursieren bereits Schlagzeilen, in denen es um „fat cats“ geht. Es ist allerdings so, dass Banker zwar reich sein mögen, aber nicht fett. Und ebenfalls unwahrscheinlich ist, dass sie ihre Position ausschließlich ihrer Leistung verdanken.

Soweit Dr. Louise Ashley, Dozentin an der Queen Mary University in London. Ashley, die früher bei einer Anwaltskanzlei in London gearbeitet hat, hat vor Kurzem ein Buch* veröffentlicht, das auf zehn Jahren Forschung und 400 Interviews mit Menschen aus der Finanzdienstleistungsbranche in London basiert. Sie widerspricht der Annahme, dass in Banken das Leistungsprinzip herrscht und unterstreicht, dass Menschen bevorzugt werden, die den vorherrschenden Vorstellungen von Erfolg entsprechen.

„Wir konzentrieren uns darauf, die Besten der Besten einzustellen“

Theoretisch können die Banken jede:n einstellen, sofern die Leistung stimmt. Jacob, ein langjähriger Bankangestellter, den Ashley 2016 interviewte, betonte diesen hypothetischen Ansatz. „Wir konzentrieren uns voll und ganz darauf, die Besten der Besten einzustellen“, sagte er. „Es ist uns egal, ob Mann oder Frau, ob schwarz, weiß, orange oder grün – wir suchen einfach nach enorm intelligenten Uniabgängern mit den besten Abschlüssen, die sagen, dass sie mit dem, was wir tun, zurechtkommen.“

Sowohl die Entwicklung der Diversity-Anteile bei Banken als auch, was Ashley ansonsten berichtet wurde, legen jedoch nahe, dass dies nicht immer der Fall ist. Im Bericht der von der Regierung eingesetzten Arbeitsgruppe aus dem Sommer ist zu lesen, dass nur 13 Prozent der leitenden Positionen in der Londoner City mit Männern aus der weißen Arbeiterklasse besetzt sind, verglichen mit 45 Prozent aus Angestelltenfamilien.

Der Finanzfachmann Leslie, mit dem Ashley 2019 sprach, erläuterte die Gründe dafür: „Wir suchen nach Vertrauen ... [aber] es muss eine bestimmte Art von Vertrauen sein“, erklärte er Ashley. „Es ist schwer zu erklären, aber wir müssen robust sein, robust beraten können, aber wir müssen [Kunden] auch das Gefühl geben, dass wir ... in gewisser Weise respektvoll sind. Es ist ein wirklich schwieriges Gleichgewicht ... nicht jeder schafft es richtig. Am besten gelingt es oft Männern, die an Privatunis waren.“

Während „Männer, die an Privatunis waren“ Erfolg haben, sprach Ashley auch mit einigen im Finanzwesen, die aus unterprivilegierten Familien kommen und die sagten, dass sie auf die Mütze bekamen, weil sie braune Schuhe anhatten oder ungeachtet ihrer Qualifikationen und Kompetenzen keinen Zugang zu Bankenjobs erhalten hätten. Max, ein schwarzer Bewerber, der im Süden Londons eine Gesamtschule besucht hatte, berichtet dass er von anderen schwarzen Männern in der Bank beiseite genommen worden sei. Ihm sei gesagt worden: „Wenn du weiß bist, musst du dich von anderen abheben und so kommst du weiter...“, aber wenn du schwarz bist, „ist es deine Aufgabe, dich anzupassen“. Später erhielt er eine Absage, weil es nicht „gepasst“ habe – er suchte sich daraufhin eine Stelle bei der öffentlichen Hand. „Was ist das für eine Branche, in der mir gesagt werden kann, ich sei ein guter Kandidat, ich sei schlau, aber nicht geschliffen genug?“, so äußerte er sich gegenüber Ashley über das Bankwesen.

Selbst wenn Bewerber aus Arbeiterfamilien eine Stelle in der City bekamen, berichteten sie Ashley, sich als Außenseiter zu fühlen. Bei den Town-Hall-Meetings von Goldman Sachs während der Pandemie 2020 hatten schwarze Unternehmensangehörige ihre Kollegen mit Berichten über den von ihnen erlebten Rassismus überrascht – und in ähnlicher Weise erzählte Liberty, Praktikantin bei einer Vermögensverwaltungsfirma, wie sie erwähnt habe, dass am Wochenende ein Mann mit einer Waffe in ihrer Nachbarschaft von der Polizei verhaftet worden sei: „Es hat keiner was gesagt und wir haben das Thema gewechselt.“

Letztlich argumentiert Ashley, dass die Banken sich noch immer zu sehr an vorgefasste Meinungen darüber klammern, wie Erfolg aussieht. Damit knüpft sie an Lauren Rivera an, die US-Professorin, die sich damit befasst hat, dass Banken bevorzugt Leute „mit Benimm“ einstellen, die die einschlägigen Hobbies der der oberen Mittelschicht pflegen.

Doch Banken sortieren nicht nur nach Klassenzugehörigkeit. Personalberater Alexander erklärte Ashley, dass Banken auch keine mehrgewichtigen Menschen mögen. „Sie wollen motivierte Leute“, erklärte er ihr. „Erstens sind motivierte Leute selten dick. Fit im Kopf gleich fit im Körper – das ist das allgemeine Mantra. Übergewicht haben geht im Banking nur, wenn man älter und sehr erfolgreich ist.

Diversity-Kandidaten wehren sich gegen Schubladendenken

Wie steht es um all die Bewerber:innen mit Diversity-Hintergrund, die Banken laut eigener Aussage einstellen?

Ashleys Untersuchungen zeigen, dass viele von ihnen in Middle- und Backoffice-Jobs abgeschoben werden. George, ein 21-jähriger Praktikant aus einer „beschissenen Stadt“, berichtete Ashley, dass sein Spring-Week-Kurs stark segmentiert war. Während die Plätze im Front Office an Studierende aus Oxbridge, der London School of Economics, der UCL Imperial und Warwick gingen, seien die Leute im Bereich HR und im Middle Office „sehr viel diverser“ gewesen, so George’s Beobachtung. „Sie sagen, dass sie Leute für alle Bereiche suchen. Und dann setzen sie vielleicht Leute von weniger guten Universitäten in Middle-Office-Positionen ein.

Wenn sich die Banken wirklich wandeln wollen, müssten sie laut Ashley „energischer eingreifen“. Das könnte Quoten bedeuten. Es müsste auf jeden Fall eine deutlichere Reaktion der Banken-Führungen geben. Und ganz generell plädiert Ashley dafür, dass die soziale Klasse ein rechtlich geschütztes Merkmal werden sollte – doch dafür, so merkt sie an, müsste die Regierung aktiv werden.

*Highly discriminating 

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AUTORSarah Butcher Globale Redaktionsleiterin mit Sitz
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