Weibliche Banken-MDs fühlt sich gedemütigt

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Weibliche Banken-MDs fühlt sich gedemütigt

Bully Market, das Buch von Jamie Fiore Higgins, ehemals Managing Director bei Goldman Sachs ist noch nicht einmal erschienen – es kommt am 29. September. Doch es sind Rezensionsexemplare im Umlauf, die schon jetzt für Aufsehen sorgen.

Fiore Higgins ist 2016 bei Goldman Sachs gegangen, also bevor CEO David Solomon sich auf die Fahnen schrieb, verstärkt Frauen einzustellen und zu befördern. Sie war dort keineswegs nur zeitweilig, sondern hat 16 Jahre im New Yorker Büro gearbeitet. 1998 war sie von Bryn Mawr geholt worden, als Leute gesucht wurden, die Geisteswissenschaften studiert hatten. Fiore Higgins hat Goldman Sachs ihr gesamtes Berufsleben verschrieben: Angefangen als Analyst, arbeitete sie sich hoch bis zur MD im Bereich Securities Services.

Bully Market ist in Romanform geschrieben und Goldman Sachs erklärt, dass man „den anonymen Anschuldigungen entschieden widerspreche“. Fiore Higgins sagt nicht, dass sie die Realität 1:1 wiedergibt. Die Charaktere seien „zusammengefügt“, die Zitate „nicht wörtlich“. Die Ereignisse seien „verdichtet“ und speisen sich aus ihrer Erinnerung, und dennoch spiegelt das Buch, so Fiore Higgins, ihre Erinnerungen und Ansichten aus ihrer Zeit bei Goldman Sachs wieder. Und diese Erinnerungen sind keine guten.

Die bösen Seiten sind bereits breit diskutiert worden: Die Angriffe eines männlichen Kollegen, der von einem wichtigen Kunden abgezogen wurde, die „Muh“-Rufe, als sie Milch abpumpen ging, die Wutexplosion eines (männlichen) Kollegen, der betrunken auf einem Kunden-Event war und von einem Kellner gebeten wurde, sich zu benehmen.

Neben allen Dramen und Handlungssträngen zeichnet Fiore Higgins ein Bild eines noch gehässigeren Sexismus, der in der gesamten Bankenbranche vorherrsche und nicht nur bei Goldman Sachs anzutreffen sei. Männer werden befördert aufgrund von Kundenbeziehungen, die gefestigt werden durch Alkohol und reine Männerrunden. Wer viel Umsatz macht, ist unantastbar und kann sich benehmen, wie er will. Die Geschäftsführung hat gute Absichten, scheitert aber an der Umsetzung. HR ist ein zahnloser Tiger und hängt am Tropf derer, die sich übel aufführen, aber den Umsatz einspielen. Frauen in Führungspositionen sind isoliert und haben Angst, Missstände zu benennen, weil sie bei der nächsten Streichrunde nicht ihren Job verlieren wollen. Wer Wert auf sein Familienleben legt, wird bei Beförderungen und der Verteilung von Boni abgestraft (das betrifft auch Männer).

Fiore Higgins stellt sich nicht als Heilige dar: Sie nimmt Xanax, trinkt Alkohol und hat eine Affäre mit einem Kollegen. Doch sie stellt auch nicht alle Männer bei Goldman Sachs als böse dar: Der MD, mit dem sie eine Affäre hat, ist nachdenklich und charmant (auch wenn er an die männliche Hauptfigur in „50 Shades of Grey“ erinnert). Sie ist eine strebsame Aussenseiterin, die aus einer Familie mit Migrationshintergrund kommt und es durch Fleiss zu Goldman Sachs schafft, wo sie dann aufgrund des von ihr aufgebauten Kundenstamms befördert wird. Sie hat vier Kinder, ihr Mann ist Hausmann und sie arbeitet, um ihre Familie zu ernähren. Theoretisch hätte das Unternehmen ihr helfen und sie schützen können. Vielleicht hat Goldman Sachs das auch getan. Manche Frauen (etwa Katie Koch) fühlen sich wohl bei Goldman Sachs – und die Anschuldigungen sind nicht gerichtlich geprüft worden, Goldman Sachs widerspricht ihnen nicht nur, sondern betont, man habe eine „Nulltoleranz-Politik gegenüber Diskriminierung und wer Fehlverhalten melde, erleide dadurch keine Nachteile. Das steht im Widerspruch zur Behauptung von Fiore Higgins, wonach sie das aggressive Verhalten eines männlichen Kollegens im Vertrauen gemeldet hatte, er darüber dann aber direkt informiert wurde und sich in ihrer nächsten Beurteilung frauenfeindlich äusserte und ihr ihre Leistungsbilanz verhagelte.

Als Fiore Higgins schliesslich bei Goldman Sachs gekündigt hat (nicht ohne zuvor noch zwei weitere Boni abzuwarten), ging sie nicht zu einer anderen Bank. Im Sinne dessen, dass die Probleme die ganze Branche betreffen, versuchte sie nicht, ihre Karriere an anderer, vielleicht freundlicherer, Stelle fortzusetzen. Stattdessen hat sie dem gesamten Banking den Rücken gekehrt. „Ich kenne keinen MD, der gekündigt hat, um für die Familie da zu sein“, sagte sie zu ihrem Mann. „Ich kenne welche, die gefeuert wurden, oder die zur Konkurrenz gehen – aber niemanden, der einfach so geht.“

Fiore Higgins hat fünf Jahre lang an ihrem Buch geschrieben. Seit August ist sie als Coach tätig. Für Banken, die Frauen fördern wollen, könnten ihre Dienste durchaus hilfreich sein. Dass Goldman Sachs Kunde bei ihr wird, ist allerdings eher unwahrscheinlich.

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