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Wer woanders arbeitet, hat „enorme“ Steuervorteile.

Europäische Banker in London: „Soweit hätte es nicht kommen müssen“

Während Großbritannien bereits den dritten Premierminister innerhalb des laufenden Jahres bekommt und erwartet wird, dass der am Montag vorgelegte Haushalt höhere Steuern vorsieht, kommen auch die London-treusten europäischen Banker ins Nachdenken.

Die City war lange ein Magnet für europäische Banker und Trader, die nicht in ihrer eigenen Heimat arbeiten wollten, wo es klassischerweise provinziell zuging und es sich nicht so gut verdienen ließ. Aber die Zeiten haben sich geändert und manche in London haben das Gefühl, dass die besseren Möglichkeiten jetzt in anderen europäischen Städten zu finden sind.

„London schwebt in Gefahr, und zwar ernsthaft – und das ist unnötig“, sagt ein erfahrener kontinentaleuropäischer Trader, der seit fast 30 Jahren in der Londoner City arbeitet. „Soweit hätte es nicht kommen müssen und es ist eigentlich wirklich unbegründet.“

London hat an Attraktivität eingebüßt, sowohl wegen des Brexits als auch aufgrund der Einkommenssteuern, die schon jetzt vergleichsweise hoch sind und wahrscheinlich weiter steigen. Die neue Wunschdestination für Banker und Trader, die in Europa ihr Einkommen-nach-Steuern maximieren wollen, ist Mailand, wo Expats fünf Jahre lang Steuererleichterungen von bis zu 70 Prozent erhalten. Auf Mailand folgt Paris, wo unter gewissen Bedingungen, die an bestimmte Stellen geknüpft sind, 30 Prozent des Einkommens steuerfrei sind.

Zu den Steuererleichterungen in der EU kommen stetig wachsende Möglichkeiten. Barclays, Citi, Goldman Sachs und Bank of America expandieren in Paris. Nomura hat einen Trading-Standort in Mailand. 

Ferdinand Petra, Associate Professor of Finance an der HEC in Paris sagt, dass Banken in Paris neben Franzosen zunehmend englischsprachiges Personal holen. „Es kommt auf die Bank an, aber wir erleben, dass Leute aus der ganzen Welt bei Banken in Paris eingestellt werden“, so Petra. „Angesichts der Lebenshaltungskosten in London und der Tatsache, dass das Pfund fast nur noch so viel Wert ist wie der Euro, ist der Lebensstandard vor Steuern in Paris höher als in London.“

Seit Jahresbeginn hat das Pfund gegenüber dem Euro um rund 4 Prozent nachgegeben, zudem dürften die Steuern in Großbritannien steigen – und aus diesem Grund berichtet der oben zitierte Trader, dass es bei ihm und seinen Freunden zurzeit nur noch darum gehe, wo man möglicherweise besser leben könne. „Die meisten von uns denken darüber nach, nach Mailand zu gehen“, sagt er. „Die Steuervorteile dort sind enorm. Wenn ich dorthin ziehe, zahle ich 15 Prozent Steuern. Hier zahle ich 49 Prozent.“

Ein anderer europäischer Trader, der schon lang in Londoner City ist, erklärt dass London Leute aus der EU angelockt habe, weil es ein Ort war, an dem man nicht bewertet wurde und wo man es dank des Meritokratie-Prinzips durch gute Leistung weit bringen konnte. In seinem Heimatland, so sagt er, hätte man an seinem Dialekt erkannt, dass er aus armen Verhältnissen stamme. In London war das nicht der Fall. In der City zu arbeiten, war ein Befreiungsschlag – bis der Brexit kam und alles anders wurde.

Manche sind skeptisch, ob die angekündigten Abgänge tatsächlich in die Tat umgesetzt werden. Joseph Leung, Managing Partner beim Personalvermittlungsunternehmen Aubreck Leung sagt, dass die Londoner Banker nicht abwandern. „Dass das schwächelnde Pfund die Leute aus London vertreibt, ist eine Kurzschlussreaktion, gemischt mit Panikmache“, so Leung. „Das werden wir genauso wenig erleben wie es die massenhaften Abwanderungen aus London nach dem Brexit gegeben hat.“

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AUTORSarah Butcher Globale Redaktionsleiterin mit Sitz
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