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Wenn man kaum einen Moment für sich hat.

Ex-Evercore-Associate erklärt, was das Lästigste an ihrem Job war

Wenn man sich ihren CV ansieht, könnte man annehmen, dass Amelia Noel zu einem bestimmten Zeitpunkt in ihrem Leben – mit etwa Mitte 20 – unbedingt im Investmentbanking arbeiten wollte. Nach einem ersten Abschluss in Journalismus und Marketing an der Universität von Missouri und dem Berufseinstieg in der Werbung, machte sie einen MBA an der Columbia University und spezialisierte sich auf Finanzen. An der Columbia University war Noel im Investmentbanking-Club und im „Women in Finance“-Club, und sie verbrachte ihren Sommer als Associate im globalen M&A-Team von Evercore.

Als Noel 2019 ihr Studium beendete, trat sie eine Vollzeit-Stelle bei Evercore an. 15 Monate später verließ sie das Unternehmen wieder. Heute arbeitet sie freiberuflich für eine Strategieberatung in Colorado und hat ein eigenes Coaching-Unternehmen. Ihre Coaching-Schwerpunkte sind die Vermeidung von Burnout und von Überlastung im Alltag: „Weniger arbeiten. Weniger Stress. Für immer. Hören Sie auf, sich zu schinden und erleben Sie, dass es Ihnen bei der Arbeit besser geht.“

Zu den Gründen ihres Weggangs von Evercore äußert sich Noel nicht explizit. Die Boutique-M&A-Beratung zahlt dieses Jahr durchschnittlich 767.000 Dollar. Associates in New York wie Noel verdienen laut der H1B-Gehaltsdatenbank rund 160.000 Dollar. Wie viele Boutiquen ist auch Evercore bekannt dafür, seine Leute noch mehr als andere in die Mangel zu nehmen: Wall Street Oasis bezifferte die durchschnittliche Wochenarbeitszeit im Jahr 2021 mit 78,6 Stunden – weniger als bei Goldman Sachs (87,5), aber deutlich mehr als bei der Deutschen Bank (68,9).

Ohne sich ausdrücklich auf Evercore zu beziehen, hat Noel mit dem Wall Street Journal über ihre Erfahrungen als Junior-Bankerin gesprochen. Sie deutet an, dass das Hauptproblem darin bestand, dass sie ständig damit rechnen musste, alles stehen und liegen zu lassen, um auf „Please fix“-E-Mails von höherrangigen Kollegen zu antworten. „Man versteht es erst, wenn man auch um 22 Uhr noch ‚please fix‘-Mails bekommt“, so Noel gegenüber dem WSJ. Als sie im Banking gearbeitet hat, habe sie ihren Laptop überall hin mitgenommen, selbst zum Brunch, in Bars und auf eine „Weihnachtskutschfahrt im Central Park mit der Familie“. Um ständig auf Abruf zu sein, dachte sie sich sogar Laufstrecken aus, auf denen sie innerhalb von maximal 15 Minuten zurück am Rechner sein konnte. Jede E-Mail versetzte sie in Alarmbereitschaft und sie begann sofort abzuwägen, wie lange sie brauchen würde, um die jeweilige Korrektur umzusetzen.

Evercore ist nicht die einzige Bank mit einer „Please fix“-Kultur – es gibt sie bei den meisten Banken. Und Noel ist nicht die erste Person, die die ständige Erreichbarkeit als eines der lästigsten Elemente eines Bankingjobs bezeichnet: Im Sommer hatte ein Praktikant in Business Insider von einer „Missbrauchskultur“ gesprochen: MDs würden Mails im Kommandoton schicken und erwarten, dass diese quasi sofort beantwortet werden – egal zu welcher Tageszeit.

Der Tyrannei des „pls fix“ zu entkommen, ist leichter gesagt als getan. Das WSJ stellt fest, dass es diese auch im Consulting gibt, in der Business Analyse und in vielen Jobs, in denen man Kundenkontakt hat. Und auch wenn viele „Please fix“-Anfragen trivial sein mögen und sich auf Kleinigkeiten wie die Schriftgröße und die Ausrichtung des Logos in Präsentationen beziehen, sind sie entscheidend für den Abschluss von Verträgen. Perfektionismus ist ein Muss, sagt der New Yorker Berater Mark Mehta: „Das ist es, wofür die Kunden Sie bezahlen wollen.“

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AUTORSarah Butcher Globale Redaktionsleiterin mit Sitz
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