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„Ich bin von sehr, sehr reich ins Nichts abgerutscht“

Der Trader, der alles hatte – und dann alles verlor

Das Leben von Tom Hayes hat sich verändert. Bevor er ins Gefängnis kam, war er Trader bei UBS und Citi und zählte weltweit zu den Top-Tradern. Er hatte nicht nur einen Mercedes, sondern fünf. Er hatte eine Frau, ein Kind, ein Haus mit 7 Zimmern in Surrey. Er wurde umgarnt von globalen Banken, die ihn für sich gewinnen wollten, ihn nach New York ausflogen und ihn dort ausführten, um ihn für sich zu gewinnen.

Mittlerweile hat Tom Hayes sein Geld, seine Ehe und seine Gesundheit verloren. „Ich bin von sehr, sehr reich ins Nichts abgerutscht“, sagt er. Nach fünfeinhalb Jahren Gefängnis wegen Manipulation des LIBOR-Satzes ist er an Multipler Sklerose erkrankt, geschieden und war Gegenstand einer 879.000 Pfund schweren Zwangsvollstreckung. Heute lebt er in einer Wohnung in den Londoner Docklands, die seinen Eltern gehört, und musste sich wieder daran gewöhnen, Platz zu haben. „Im Gefängnis habe ich alles in einem Raum gemacht“, sagt er. „Wenn man fünf Jahre lang in einer Zelle sitzt, sich dort wäscht, dort schläft und einfach alles auf engstem Raum macht, ist es schwierig, sich das abzugewöhnen. Meine Mutter sagte immer: ‚Willst du nicht mal auch das Esszimmer benutzen?‘.“

Während sich im Investmentbanking wieder Entlassungen andeuten, sagt Hayes, dass es Schlimmeres gäbe, als einen Job im Finanzwesen mit siebenstelligem Jahresgehalt zu verlieren. „Entlassen zu werden, ist nicht krass“, sagt er. „Vom Zellengenossen gewürgt zu werden, das ist krass. Dinge, die mir früher den Schlaf geraubt haben, wie etwa verspätete Bahnen, sind nicht wichtig. Ich träume nicht davon, wieder fünf Autos zu haben, sondern ich träume davon, mit meinem Kind im Park spazieren zu gehen.“

Hayes hatte ein halbes Jahrzehnt im Gefängnis gesessen und war zu 11 Jahren verurteilt worden. Elizabeth Holmes wurde letzte Woche wegen Betrugs zu 11 Jahren Gefängnis verurteilt, aber abgesehen von der Länge der Strafe gibt es wenige Gemeinsamkeiten. Holmes wird ihre Haft im offenen Arrest absitzen, Hayes hingegen hatte in einigen der brutalsten Gefängnisse Großbritanniens eingesessen, darunter Wandsworth und Belmarsh. „Das bringt einen sehr schnell zurück auf den Boden der Tatsachen“, sagt er. „In Belmarsh sitzt man in einer Dreierzelle und wird gezwungen, vor zwei anderen Menschen zu defäkieren, von denen einer da ist, weil er jemanden mit einem Maschinengewehr angegriffen hat.“

Es hätte auch anders kommen können. Als Hayes 2015 im Alter von 34 Jahren vor Gericht stand, wurde ihm ein Deal angeboten: Er hätte gegen seine Mitangeklagten aussagen können (die alle freigesprochen wurden) und im Gegenzug eine dreijährige Haftstrafe erhalten, von der er 14 Monate im offenen Vollzug verbracht hätte. „Ich war nicht bereit, das zu tun“, sagt er. Seine Kollegen kamen frei, und Hayes verlor mehr, als er sich je hätte vorstellen können.

Er sagt, dass kein Geld der Welt das Erlebte wieder gutmachen könne. „Wenn man mir vor zehn Jahren gesagt hätte, was passieren würde und dass ich am Ende des Prozesses 20 Millionen Dollar Entschädigung bekommen würde, hätte ich das Geld abgelehnt.“ Und eine Entschädigung in Geld ist sowieso nicht in Sicht. Aber er würde nichts ändern, und er ist nicht verbittert. Nicht mehr. „Ich war sehr verbittert, aber ich habe mich damit abgefunden“, sagt er. „Es hat keinen Sinn. Wütend und verbittert zu sein, ist wie Gift zu trinken.“ Er hat einen Therapeuten, der sagt, er solle jeden Tag rausgehen und mit jemandem reden.

Verbittert war Hayes über die UBS und die Vorgesetzen, die ihn vor den Bus warfen. „Alle meine Manager wussten genau, was ich getan habe“, behauptet er. Hayes sagt es zwar nicht selbst, doch sein Opfer hat vielleicht einen Hauch von Klassismus – in einer Welt, in der Trader zunehmend aus der mittleren und oberen Mittelschicht stammen, war Hayes eine Ausnahme. Er war bei einer alleinerziehenden Mutter im Londoner Stadtteil Shepherd‘s Bush aufgewachsen. Die Familie war durchaus intellektuell – seine Mutter war wissenschaftliche Mitarbeiterin beim ehemaligen Premierminister Gordon Brown –, aber es gab nicht viel Geld. Als er mit einem üppigen Gehaltspaket bei einer Bank angestellt wurde, wurde er von Kollegen als „Straßen-Trader“ bezeichnet. Damals schien das keine Rolle zu spielen. „Das Tolle an der Finanzbranche ist, dass sie eine Leistungsgesellschaft ist: Wenn man Geld verdient, geht es einem gut.“ Rückblickend betrachtet war es vielleicht tatsächlich so.

Bei Hayes wurde Autismus diagnostiziert. Er sagt zwar, dass sein Zustand nicht bedeutet, dass er der „seltsame Asperger-Typ“ oder das mathematische Genie ist, als das ihn manche Darstellungen hinstellen, aber es hat ihm möglicherweise die nötige Ausdauer verliehen, um für den Beweis seiner Unschuld zu kämpfen. Sieben Jahre nach dem ursprünglichen Gerichtsverfahren, fast zwei Jahre nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis und nach einem gescheiterten Berufungsantrag ist er fest entschlossen, nicht aufzugeben. Den Großteil seiner Zeit widmet er seinem Fall. „Ich befinde ich in einem Krieg“, sagt Hayes. „Und einen Krieg kann man nicht in Teilzeit führen. Ich verbringe mein Leben hauptsächlich damit, Dokumente für Anwälte zusammenzutragen und an juristischen Argumenten zu arbeiten.“

Vor wenigen Wochen hat er in diesem Krieg einen Teilerfolg errungen: In den USA wurde die Anklage gegen Hayes abgewiesen. Eine Entscheidung des US-Berufungsgerichts vom Januar, mit der die Devisenhändler Matthew Connolly und Gavin Black vom Vorwurf des Überweisungsbetrugs freigesprochen wurden, deutet darauf hin, dass sich der Kampf auf breiterer Ebene zugunsten der geschädigten Trader wenden könnte. Connolly verklagt die Deutsche Bank auf Entschädigung in Höhe von 150 Millionen Dollar, Hayes hingegen sagt, er erwarte keine finanzielle Entschädigung. Er will lediglich, dass sein Name reingewaschen wird.

Und wenn das gelingt? Zurück ins Banking will er nicht. Aber vielleicht würde er zu einem Fonds gehen: Er beobachtet die Märkte immer noch.

Für Hayes hat das Arbeiten im Banking sein Leben verwandelt. Bis zu seinem Praktikum bei der UBS hatte er 80 Stunden pro Woche bei einem Stundenlohn von 2,70 Pfund als Küchenhilfe gearbeitet. Er hatte Mathematik und Ingenieurswesen an der Universität Nottingham studiert. Trading war da natürlich toll – bis es irgendwann kippte.

Für alle, die in einer ähnlichen Lage sind, hat Hayes eine Reihe an Ratschlägen: Schriftlich kommunizieren, Gespräche zu den vermeintlichen Vorwürfen mitschreiben, und einen Anwalt nehmen. „Gehe nicht zu den Befragungen ohne einen Anwalt an der Seite zu haben, den du auch selbst bezahlst“, sagt er. „Ich bin zu den Befragungen gegangen, weil mir vom COO gesagt wurde, ich hätte nichts zu befürchten und würde meine Stelle nicht verlieren. Und dann bin ich gefeuert worden.“

Hayes hat immer noch Kontakt zu Leuten aus seiner Zeit in der Finanzwelt. Bei Schicksalsschlägen stelle man fest, wer die eigentlichen Freunde sind – und das sind nicht immer die, von denen man es annimmt. Im Gefängnis sitzen viele Millionäre, so Hayes: „Im Knast begegnet man so vielen Millionären wie nirgendwo sonst.“

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Photo: eFinancialCareers/Dall-e

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AUTORSarah Butcher Globale Redaktionsleiterin mit Sitz

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