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„In meinem Banking-Praktikum habe ich sogar im Büro übernachtet und bin trotzdem nicht übernommen worden“

2013, kurz nach dem Tod des Bank of America-Praktikanten Moritz Erhardt, unternahmen Investmentbanken den Versuch, ihre Praktikant:innen besser vor Überlastung zu schützen. Zehn Jahre später scheint das meiste davon in Vergessenheit geraten zu sein.

Wir haben bei Goldman Sachs, Bank of America, Barclays, Citi, Morgan Stanley, der Deutschen Bank und UBS nachgefragt, wie man Praktikant:innen vor Überarbeitung schützt. Die meisten haben entweder gar nicht geantwortet oder wollten sich nicht äußern. Nur Barclays erklärte, dass es klare Grenzen gäbe, die aber nicht näher definiert wurden. Die Praktikant:innen selbst berichten, dass die Schinderei so schlimm ist wie eh und je.

Ein Student aus London, der letztes Jahr Praktikum in einer Elite-Boutique machte, berichtet, dass die Arbeitszeiten „ziemlich schlimm“ gewesen seien: Er habe „120 Stunden pro Woche“ gearbeitet und kaum geschlafen. „Am schlimmsten war es gegen Ende, als wir unser Intern-Projekt hatten. Es war ein Feiertag und viele hatten frei“, sagt er. „Wir waren bis 3 oder 4 Uhr morgens im Büro und dann um 7 oder 8 Uhr wieder zurück. Ein paar Nächte habe ich im Büro geschlafen. Es war ziemlich warm, so dass ich keine Decke gebraucht habe – und als Kissen habe ich mein Sakko benutzt.“

Die Investmentbanking-Praktikant:innen im aktuellen Sommer sind erst ein paar Wochen dabei. Obwohl es weniger Deals gibt, hagelt es immer noch Beschwerden über die Schufterei und das ständige Pitchen. „Ich würde wirklich gern wissen, ob es normal ist, 18 Stunden am Tag zu arbeiten“, schrieb letzte Woche ein Praktikant auf Wall Street Oasis. „Wie hält man sowas aus?“

In einigen Fällen hält man es nicht aus. Als Moritz Erhardt nach einem epileptischen Anfall unter der Dusche starb, hatte er als Analyst im Investmentbanking der BofA angeblich 72 Stunden am Stück durchgearbeitet. In der darauf folgenden Ursachensuche begannen Banken wie Goldman Sachs vorzuschreiben, dass Praktikant:innen nur zwischen 7 und 24 Uhr arbeiten dürfen. Ob dies aktuell och gilt, wollte Goldman Sachs auf Anfrage nicht äußern.

Einige Praktikant:innen aus dem 2023er-Jahrgang berichten, dass ihre Arbeitszeiten erträglich seien. „Es kommt auf das Team und das Projekt an“, meint ein Praktikant bei UBS. „Man kann innerhalb einer Woche früh oder auch erst spät abends Feierabend haben – und man erfährt oft erst am Tag selbst, wie es laufen wird.“ Manchmal lohnt es sich nicht, früher nach Hause zu gehen, selbst wenn sich die Gelegenheit ergibt: „Wenn man gleich nach dem Abendessen geht, läuft man Gefahr, dann doch noch etwas machen zu müssen und dafür dann nicht die gute Infrastruktur zu haben, die man im Büro hat.“

Wenn Praktikant:innen zu viel arbeiten, ist das oft ihr eigenes Verschulden. Der Praktikant, der im Büro übernachtet hat, sagt, dass die Nicht-Praktikanten in seinem Team davon nichts erfahren hätten. „Ein paar von uns blieben über Nacht – einer schlief auf dem Sofa. Wenn die Personalabteilung das herausgefunden hätte, wäre sie der Sache auf den Grund gegangen. Es gab einen Fall, wo sich ein Praktikant ausgeschlossen hatte und über Nacht im Büro war und hier reagierte HR sehr streng.“

Trotz seines Engagements erhielt er kein Übernahmeangebot. „Mir wurde gesagt, andere Praktikant:innen in meinem Team hätten mehr Erfahrung und seien eher als Analysten geeignet“, sagt er. Die Erfahrung hat ihn nicht abgeschreckt: Er plant, sich für eine Stelle als Trainee zu bewerben, dann zwei Jahre im Banking zu arbeiten und danach etwas anderes zu machen.

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AUTORSarah Butcher Globale Redaktionsleiterin mit Sitz

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