Entdecken Sie Ihre Traumkarriere
Für Recruiter

Junior-Banker berichten von erbarmungsloser Arbeitsbelastung: „Locker 100 Stunden und mehr pro Woche“

Es gab einen Zeitraum, irgendwann Ende 2021, als die bekanntermaßen als die erbarmungslose Arbeitsbelastung von Junior-Investmentbankern sich etwas entspannte. Nachdem bei Goldman Sachs Nachwuchskräfte beklagt hatten, dass sie jede Woche 100 Stunden arbeiten mussten und entsprechend psychisch belastet seien, hatten die meisten Banken zusätzliches Personal eingestellt, Arbeitszeitbegrenzungen eingeführt und Gehälter angehoben.

Drei Jahre später sind die Gehälter geblieben – das ist aber auch schon alles.

Weil Banken sparen und Führungskräfte wegen ausbleibender Deals in Panik geraten, wird uns von jüngeren Banker:innen berichtet, dass sie mehr arbeiten als je zuvor.

„Seit Mitte 2023 ist es unerträglich geworden“, sagt ein Senior Analyst, der anonym bleiben möchte. „Es gab einige Kündigungswellen und ich muss jetzt die Arbeit übernehmen von denen, die entlassen worden sind. Hinzu kommt, dass auch Führungskräfte um ihre Arbeitsplätze zittern. Sie sind geradezu darauf versessen, mehr – und längere – Pitch Books zu erstellen.“

Zwar wird davon ausgegangen, dass die Deal-Umsätze im ersten Quartal voraussichtlich 21 Prozent höher sind als vor einem Jahr, dieser Anstieg ist allerdings fast ausschließlich auf Gewinne im Bereich Debt Capital Markets zurückzuführen. Die M&A-Umsätze bleiben auf dem Tiefstand des letzten Jahres. Das führt dazu, dass seniorige Banker:innen, die entsprechend teuer sind und 2023 noch davon ausgegangen sind, dass die Lage sich 2024 wieder ändert, zusehends unruhig werden. Die Nachricht, dass der Citi-Managing Director (MD) Edward Ruff beurlaubt wurde, weil er junge Kolleg:innen niedergebrüllt haben soll, ist charakteristisch für die aktuelle Stimmung.

„Es ist jetzt ganz anders als 2021“, sagt ein Senior Associate aus New York. „2021 gab es rund um die Deal-Execution noch viel zu tun“, führt er aus. „Der Dealflow war doppelt so stark wie heute, und viele standen vor dem Burnout. Jetzt gibt es viel weniger Deals und die Intensität ist auf Pitches ausgerichtet, die ins Leere laufen. Das ist frustrierend. Wenn die MDs wissen, dass ein Deal eher unwahrscheinlich ist, wollen sie Pitch-Books mit viel mehr Details und Aufwand, um Kunden davon zu überzeugen, sich doch für den Deal zu entscheiden. Unter diesen Umständen, so berichten Junior-Banker, werden die Überstunden wieder mehr und die Richtlinien zur Begrenzung der Arbeitszeiten werden außer Kraft gesetzt. Einer der Vorwürfe gegen Edward Ruff war, dass er Nachwuchskräfte dazu bringen wollte, auch samstags zu arbeiten. Citi-Insider sagen, dass dies aktuell nicht unüblich sei. „Offiziell muss man zu seinem Staffer gehen und eine Bestätigung von einem MD einholen, um samstags zu arbeiten, aber in der Realität passiert das nicht“, berichtet einer. „Es ist normal geworden, dass man am Freitag Arbeit bekommt, von der es heißt, dass sie wirklich dringend ist – oder auch, dass man am Freitag eine Menge Aufgaben bekommt, die bis Sonntag erledigt sein müssen und dass man den Samstag nur frei hat, sofern sie erledigt sind. Citi lehnte eine Stellungnahme ab.

Ein Junior-Banker berichtet, dass Ausnahme-Wochen wieder die Regel seien. „Ich arbeite locker 100 Stunden pro Woche“, sagt einer. „Und zwar auch samstags, auch wenn wir an Samstagen eigentlich frei haben.“

Gen-Z-Banker haben den Ruf, weniger hart im Nehmen zu sein als ihre Vorgänger-Generationen. Einer berichtete uns, dass es aber nicht nur um die Arbeitszeiten geht. „Es scheint, dass die wichtigste Fähigkeit eines Investmentbanking-Analysten darin besteht, viel zu arbeiten und sich nicht zu beschweren“, sagt er. „Es ist nicht so, dass ich nicht viel arbeiten will, aber ich glaube auch nicht, dass mein einziger Wert darin besteht, einfach nur ohne Rücksicht auf Verluste zu arbeiten.“ Er sagt, dass er viele Banker auf dem Mid-Career-Level kennt, die ebenfalls unzufrieden sind.: „Ich höre von vielen, dass ihnen ihre Arbeit keinen Spaß macht, aber dass sie sie machen, weil sie ihren Immobilienkredit abbezahlen und den Lebensunterhalt ihrer Kinder bestreiten müssen.“

Im Mittelpunkt steht nicht das Gehalt – mehr Geld allerdings wäre vielleicht eine Erleichterung. Obwohl Junior-Banker:innen heute mehr verdienen als früher (pro Jahr mehr als 100.000 Dollar – 2019 waren es noch 85.000 Dollar), sind die Boni viel niedriger. In Zusammenhang mit dem Mangel an Arbeitsplatzalternativen feuert das die Angst an und führt dazu, dass es schwer ist, etwas anderes zu finden – und dazu, dass Vice Presidents (VPs) und MDs gegenüber jungen Kollegen ausfällig werden. „Die Moral ist am Boden, die Boni sind schlecht, und die Banken lassen uns schuften, weil klar ist, dass wir nirgendwo sonst unterkommen können“, sagt einer.

Auf die Zeit der Pandemie wird jetzt mit Wehmut zurückgeblickt. „Die Pandemie war eigentlich ganz schön“, sagt ein Senior Analyst. „Es wurden massenhaft Leute eingestellt, so dass es weniger zu tun gab, und wenn man am Montag bei einer Tier-One-Bank kündigen wollte, konnte man am Freitag einen Job bei einer anderen Bank annehmen.“ Jetzt nicht mehr.

Have a confidential story, tip, or comment you’d like to share? Contact: sbutcher@efinancialcareers.com in the first instance. Whatsapp/Signal/Telegram also available (Telegram: @SarahButcher)

Bear with us if you leave a comment at the bottom of this article: all our comments are moderated by human beings. Sometimes these humans might be asleep, or away from their desks, so it may take a while for your comment to appear. Eventually it will – unless it’s offensive or libelous (in which case it won’t.)

author-card-avatar
AUTORAlex McMurray

Newsletter Anmeldung

Lassen Sie sich beraten, um Ihre Karriere zu managen und voranzutreiben

Treiben Sie Ihre Karriere voran

Finden Sie Tausende von Stellenangeboten, indem Sie sich noch heute bei eFinancialCareers anmelden.
Passende artikel
Empfohlene Jobs

Newsletter Anmeldung

Lassen Sie sich beraten, um Ihre Karriere zu managen und voranzutreiben