Als Junior im Private Equity: „Ich hasse mein Leben gerade. Aber es geht einfach darum, einen Fuß in die Tür zu bekommen“
Private-Equity-Fonds haben es gerade schwer. Wie Bain & Co beobachtet, muss der EBITDA inzwischen um 12,5 Prozent – und nicht mehr nur 5 Prozent – pro Jahr steigen, um über einen Zeitraum von fünf Jahren eine 2,5-fache Rendite zu erzielen. Nur wenige Fonds schaffen das. Profitable Exits lassen sich daher schwerer orchestrieren. Das Wall Street Journal berichtet, dass 4.000 Private-Equity-Unternehmen (PE) schon über vier Jahre gehalten werden – und 1.500 sogar seit mehr als neun Jahren.
Man könnte meinen, dass angesichts dessen die Begeisterung von Junior-Banker:innen für das Private Equity schwindet. Das aber ist ganz und gar nicht der Fall.
Wie uns Anfang des Jahres ein Junior-Banker erzählte, ist die Anziehungskraft eines Private-Equity-Jobs größer als je zuvor.
„Ich hasse mein Leben gerade. Aber es geht einfach darum, einen Fuß in die Tür zu bekommen“, sagt ein Analyst bei einer US-Top-Bank. „Ich mache den ganzen Tag nichts anderes, als Slides zu formatieren und auf fiktive Deadlines hinzuarbeiten. PE gibt mir die Chance auf eine Rolle mit Sinn. Wo meine Arbeit tatsächlich etwas zählt und ich nicht nur in Business Development-Meetings sitze, die ohnehin ins Leere laufen.“
Da auch Private-Equity-Junior:innen über sinnlose Modellierungen von Zielunternehmen klagen, die sowieso nie angewendet werden, mag das ein sehr idealistisches Bild vom Leben auf der anderen Seite sein. Doch Rupert Bell, Chief Executive der Personalvermittlung Private Equity Recruitment, sagt, dass die Nachfrage von Junior-Banker:innen nach „PE“-Jobs nach wie vor groß ist. „Ein Job im Private Equity ist immer noch deutlich attraktiver, als Banker zu sein, aber das Spiel ist härter geworden, weil man ein viel höheres EBITDA-Wachstum liefern muss“, so Bell. „Fonds brauchen echte Machertypen und das sind eher Berater:innen oder Leute, die selbst Unternehmen geführt haben, als Leute aus dem Banking.“
Für Junior-Banker:innen mit PE-Träumen kommt noch das Problem der sogenannten „Zombie“-Private-Equity-Firmen hinzu – Firmen, die weder neues Kapital aufnehmen noch bestehende Investments verlassen können. Forbes bezeichnete Anfang des Jahres 20 Firmen als „Zombies“. Viele steckten in langwierigen Fundraising-Schleifen, eine hatte das Fundraising komplett eingestellt. Eine andere gab an, nur noch Deal für Deal Geld aufzunehmen.
Eine Stelle im Private Equity zu bekommen, könnte sich also als Sackgasse erweisen. Wie der New Yorker Private-Equity-Personalvermittler Charles Wilson Anfang des Jahres feststellte, „sind viele Private-Equity-Firmen bereits tot, sie wissen es nur noch nicht“. Ihr Überleben hänge davon ab, ob Investoren noch Geld geben, so Wilson. Viele von ihnen haben dazu aber keine Lust mehr. Es kursieren Geschichten von Limited Partnern (LPs), die in PE-Firmen investiert hatten und gezwungen wurden, ihre Häuser zu verkaufen und das Geld abzuschreiben. Weil sich kein Kapital mehr aufnehmen lässt, prognostiziert Per Franzén, Chief Executive der schwedischen EQT, dass in den nächsten fünf Jahren 80 Prozent der Fonds zu Zombies werden könnten.
Doch selbst angebliche Zombie-Fonds müssen ihre Arbeit machen. Ein Fonds, der von Forbes als Zombie gelistet wurde, sagte uns im Vertrauen, dass er kein Zombie sei, sondern sogenannte „Continuation Vehicles“ aufgelegt habe, um Assets aus bestehenden Fonds zu übernehmen. Ein Zombie-Fonds hingegen könne „kein Kapital aufnehmen und ist nicht in der Lage, Investments zu verlassen“. Continuation Vehicles, die Exits ermöglichen, verhindern laut dieser Definition den Zombie-Status. „Es herrscht einiges an Verwirrung am Markt.“
Continuation Vehicles könnten selbst irgendwann an ihre Grenzen stoßen. Fonds, die „opportunistisch Continuation Vehicles auflegen“, seien in einem nicht tragfähigen Geschäftsmodell gefangen, so Franzén. „Irgendwann werden diese Firmen nicht mehr existieren“, glaubt er.
Vor diesem Hintergrund wird Junior-Banker:innen, die in Private Equity wechseln wollen, geraten, eine gründliche Due Diligence zu betreiben. Ein Headhunter sagte, dass PE-Recruiting zunehmend in beide Richtungen geht: Kandidat:innen prüfen mögliche Arbeitgeber genau. „Man muss vorsichtig und wirklich wählerisch sein“, rät er. „Es lohnt sich, nach der Investoren-Abwanderungsrate zu fragen, oder auch, ob Teammitglieder gegangen sind und warum – und ob gerade ein neuer Fonds aufgelegt wird.“
Manche Junior-Banker:innen zögern vielleicht, im Interview solche kritischen Fragen zu stellen. Die Konkurrenz um Private-Equity-Jobs, die weniger langen Arbeitszeiten und teils höheren Gehälter als im Banking bieten, ist nach wie vor groß. Anfang des Jahres wurden mindestens zwei Junior-Banker betrogen von einem Anbieter, der für knapp 300 Dollar Informationen zum Private-Equity offerierte. „Die meisten verlassen das Banking, weil es so brutal ist, aber auch, weil alle guten Leute gehen und man sich selbst wie ein Versager fühlt, wenn man bleibt“, sagt ein anderer Junior-Banker. „Ist man erst mal in PE, arbeitet man wenigstens mit den Firmengründern zusammen.“
Have a confidential story, tip, or comment you’d like to share? Contact: +44 7537 182250 (SMS, Whatsapp or voicemail). Telegram: @SarahButcher. Signal: sarahbutcher.22 Click here to fill in our anonymous form, or email editortips@efinancialcareers.com.
Bear with us if you leave a comment at the bottom of this article: comments are moderated intermittently by human beings. Sometimes these humans might be asleep, or away from their desks, so it may take a while for your comment to appear. You must take sole responsibility for comments you post on this site. We will take reasonable steps to weed out anything that we consider to be offensive or inappropriate.