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Für Recruiter

So bereitest du dich auf das Case-Study-Interview im Private Equity vor

Wenn du dich auf eine Stelle bei einer Private-Equity-Gesellschaft bewirbst, musst du relativ sicher auch eine Case Study bearbeiten. Achtung: Personalverantwortliche sagen, dass das der heikelste Teil des Private-Equity-Interviews ist. Wie du hier abschneidest, entscheidet darüber, ob du den Job bekommst.

„Die Case Study ist der wichtigste Teil des Vorstellungsgesprächs, denn hier kommt man dem Job am nächsten“, sagt Gail McManus von Private Equity Recruitment. Alles dreht sich darum, eine bestimmte Frage zu beantworten: „Würdest du in dieses Unternehmen investieren?“

Zu Beginn des Case-Study-Interviews bekommst du in der Regel ein Confidential Information Memorandum (CIM) zu einem Unternehmen, in das der Private-Equity-Fonds investieren könnte. Von dir wird erwartet, dass du a) das Unternehmen bewertest und b) einen Investitionsvorschlag machst – oder auch nicht. Oft darfst du das CIM mitnehmen und dein Proposal zuhause vorbereiten.

„Die Case Study ist immer noch das entscheidendste Element des Einstellungsverfahrens, weil man hier der eigentlichen Tätigkeit am nächsten kommt. Je nachdem, wie die Bewerber:innen in der Fallstudie abschneiden, können sie gewinnen oder verlieren. Wer sich im Vorstellungsgespräch ok geschlagen hat, kann die Stelle bekommen, wenn er dann die Qualität seines Denkens unter Beweis stellt“, sagt McManus. „Du musst zeigen, dass du denken kannst – und dass du wie ein Investor denken kannst.“

„Die endgültige Entscheidung [ob man investiert] ist nicht wichtig“, berichtet ein Private-Equity-Experte, der den Prozess selbst durchlaufen hat. „Das Wichtigste ist, dass du zeigst, wie du denkst und welche Logik hinter deiner Antwort steht.“

Die Vorbereitung einer PE-Fallstudie ist für Consultants und Banker:innen eine echte Herausforderung. Wenn du Consultant bist, musst du „versuchen, dein Strategie-Instrumentarium mit Methoden der Finanzanalyse zu kombinieren. Du musst beweisen, dass du von einer strategischen Schlussfolgerung zu einer finanziellen Schlussfolgerung gelangen kannst“, sagt ein PE-Experte. Man sollte sich eingehend mit der Funktionsweise eines LBO-Models vertraut machen.

Wenn du Banker:in bist, musst du „versuchen, auch strategisch zu denken“, rät der oben genannte PE-Associate. Der Fonds, bei dem du dich bewirbst, möchte sehen, dass du nicht nur wie ein Finanzierungs-Spezialist, sondern auch wie ein:e Investor:in denken kannst. „Es reicht nicht aus, finanzielle Schlussfolgerungen zu ziehen. Du musst aufzeigen, warum eine bestimmte Branche gut ist und warum es einen Wettbewerbsvorteil gibt oder auch nicht. Auf dem Papier kann alles gut aussehen, aber die Dinge können sich von einem Tag auf den anderen ändern. Als PE-Investor:in musst du anhand der Case Study Risiken aufzeigen. Und du musst erörtern, und du bereit bist, diese Risiken einzugehen oder nicht.“

Kadeem Houson ist Partner bei KEA Consultants, ein Unternehmen, das auf das Rekrutieren von PE-Fachleuten der unteren bis mittleren Ebene spezialisiert ist. Er sagt: „Von einer:m Banker:in werden hohe technische Fähigkeiten erwartet, du musst also zeigen, dass du die Zahlen, mit denen du hantierst, auch wirtschaftlich betrachten kannst. Umgekehrt gilt: Bist du Consultant und gut in „Blue Sky“-Denken, wird Verständnis für das Modell erwartet. Besser ist weder das eine noch das andere, du musst dir nur bewusst machen, wo deine Schwachstellen liegen.

Felix Beuttler, ehemaliger Goldman-Sachs-Associate und Gründer der FinEx Academy, ist der Meinung, dass Banker:innen und Consultants unterschiedliche Stärken und Schwächen haben, wenn es um das Case-Study-Interview geht. „Consultants sind oft zu sehr auf die qualitativen Elemente fokussiert und Banker:innen zu sehr auf die richtigen Zahlen“, sagt er. Beide müssen sich so vorbereiten, dass sie ihre Schwächen überwinden können.

Ein gutes Unternehmen oder eine gute Investition?

Laut McManus ist eines der wichtigsten Elemente beim Bearbeiten der Case Study der Unterschied zwischen einem guten Unternehmen und einer guten Investition. Der Unterschied zwischen einem guten Unternehmen und einer guten Investition ist der Preis. Du kannst ein großartiges Unternehmen haben, aber wenn du einen hohen Preis dafür bezahlen musst, ist es kein gutes Geschäft. Umgekehrt kann man ein mittelmäßiges Unternehmen vor sich haben, aber wenn man es zu einem guten Preis bekommt, kann es eine gute Investition sein.“

McManus sagt, dass es nicht nur wichtig ist, den Unterschied zwischen einem guten Unternehmen und einer guten Investition zu verstehen, sondern sich auch darauf zu konzentrieren, wo der Mehrwert liege. Für Private-Equity-Firmen ist dies zu einem kritischen Element geworden, das sie berücksichtigen müssen, weil die Zinsen gestiegen, die Preise aber auch noch vergleichsweise hoch sind, was die Wertschöpfung schwieriger macht. „In der Fallstudie ist es wirklich wichtig, dass du darüber nachdenkst, wo die Wertschöpfungsmöglichkeiten in diesem Unternehmen liegen und wie ein Exit aussehen könnte“, sagt McManus.

Sie rät Bewerber:innen, mutig zu sein und einen konkreten Preis zu nennen, vorausgesetzt, sie können belegen, wie sie zu ihrer Antwort gekommen sind.

Ein anderer Private-Equity-Experte empfiehlt, sich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen und vorsichtig zu sein: „Sei bei allen Annahmen eher konservativ, um keine schwierigen Fragen aufzuwerfen. Weise immer auf die Risiken hin, und zwar sowohl auf die Nachteile als auch auf die Vorteile.“

 

Mach dich mit dem Fonds vertraut und versuche, einen guten Ansatzpunkt zu finden

Ein Private-Equity-Experte sagt, dass es von Vorteil sein kann, wenn man versteht, warum eine Investition für ein bestimmtes Unternehmen geeignet sein könnte. Prüfe also im Vorfeld der Case Study, ob der Fonds eine bestimmte Branche bevorzug, damit du diese Information bei deiner Investitionsthese im Rahmen der Case Study berücksichtigen kannst. So kannst du zeigen, dass du dich über die Strategie und die besonderen Merkmale des Unternehmens informiert hast, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass der Fonds, bei dem du dich vorstellst auf einem sehr wettbewerbsintensiven Markt punkten kann“, so ein PE-Spezialist – mit diesem Wissen könne man sich von anderen abheben.

Das Hauptziel der Case Study besteht jedoch darin, die Qualität deines Denkens zu testen und nicht, was du über den Fonds weißt. „Das Wissen über den Fonds kann zusätzliche Punkte bringen, aber generell geht es bei der Case Study darum, sich auf drei Aspekte zu konzentrieren, die für die Investitionsentscheidung ausschlaggebend sind“, so McManus.

 

Welche Fragen und Aspekte du berücksichtigen solltest

Beuttler rät seinen Studierenden, ein Deck mit einer bestimmten Anzahl von Folien zusammenzustellen, das die Highlights der Investition, die Investitionsrisiken, eine Wertschöpfungsstrategie, eine Renditeanalyse und eine klare Schlussfolgerung enthält. Es sollte auch Folien geben, die den Weg zum Erzielen einer Investitionsrendite skizzieren.

Wir haben mit einem weiteren Private-Equity-Experten gesprochen, der eine nützliche Checkliste mit Punkten zusammengestellt hat, die beim Bearbeiten einer Case Study berücksichtigt werden sollten – er spricht von einem „Spickzettel für meine Freunde“.

Wenn du eine Case Study lösen musst, solltest du seiner Meinung nach folgende Aspekte berücksichtigen: Branche, Unternehmen, Erträge, Kostenstruktur, Wettbewerb, Wachstumsaussichten, Due Diligence und die Transaktion selbst.

Die Fragen der Checkliste sind unten im Einzelnen aufgeführt. Es gibt einige Überschneidungen, aber sie sind enorm umfassend.

 

Was du mit Blick auf die Branche berücksichtigen solltest

- Was macht das Unternehmen? Welches sind die wichtigsten Produkte und Märkte? Wo liegt die Hauptnachfrage für die Produkte?

- Welches sind die wichtigsten Antriebskräfte der Branche?

- Wer sind die Marktteilnehmer:innen? Wie intensiv ist der Wettbewerb?

- Ist die Branche zyklisch? Wo im Zyklus stehen wir?

- Welche externen Faktoren könnten die Branche beeinflussen (z. B. Regierungshandeln, Klima, Terrorismus)?

 

Was du mit Blick auf das Unternehmen berücksichtigen solltest

- Die Position in der Branche

- Das Wachstumsprofil

- Die operative Hebelwirkung (Kostenstruktur)

- Die Gewinnspannen (sind sie nachhaltig/verbesserbar)?

- Die Fixkosten aus Investitionen und F&E

- Der Bedarf an Betriebskapital

- Das Management

- Der Mindestbetrag an Barmitteln, der für den Betrieb des Unternehmens erforderlich ist

 

Was du mit Blick auf die Erträge berücksichtigen solltest

- Wodurch werden sie angetrieben?

- Woher kommt das Wachstum?

- Wie sind die Umsätze?

- Wie stabil sind die Umsätze (sind sie zyklisch)?

- Welchen Umsatzanteil haben assoziierte Unternehmen und Joint Ventures?

- Wie hoch ist der Bedarf an Betriebskapital?

 - Wie lange dauert es, bis die Umsätze verbucht und vereinnahmt werden?

 

Was du mit Blick auf die Kostenstruktur berücksichtigen solltest

- Die Vielfalt der Lieferanten

- Das „Operational Gearing“ (wie hoch sind die Fixkosten im Vergleich zu den variablen Kosten?)

- Die Abhängigkeit von den Rohstoffpreisen

- Die Investitions-/F&E-Anforderungen

- Die Finanzierung der Renten

- Die Belegschaft (ist diese gewerkschaftlich organisiert?)

- Die Fähigkeit des Unternehmens, Preiserhöhungen an die Kunden weiterzugeben

- Die Vertriebs-, Verwaltungs- und Gemeinkosten (SG&A). Können diese gesenkt werden?

 

Was du mit Blick auf den Wettbewerb berücksichtigen solltest

- Branchenkonzentration

- Nachfragemacht

- Einfluss der Lieferanten

- Einfluss der Marke

- Größenvorteile/Netzwerkvorteile/Minimum efficient scale

- Substitute

- Zugang zu Inputs

 

Was du mit Blick auf die Wachstumsaussichten berücksichtigen solltest

- Skalierbarkeit

- Änderung der Anlagennutzung (Pacht vs. Eigentum, könnte die Produktion in China stattfinden?)

- Veräußerungen

- Wie lassen sich Effizienzgewinne erzielen?

- Beschränkungen des derzeitigen Managements

 

Was du mit Blick auf die Due Diligence berücksichtigen solltest

- Kontrollwechselklauseln

- Umwelt- und rechtliche Verpflichtungen

- Einfluss von Pensionsplänen und Gewerkschaften

- Effektivität der IT- und Betriebssysteme

 

Was du mit Blick auf eine mögliche Transaktion berücksichtigen solltest

- Das LBO-Modell

- Die Grundlage für Deine Bewertung (hast du den Sum of The Parts (SOTP)- oder einen anderen Ansatz verwendet, und warum?)

- Die Fähigkeit des Unternehmens, Fremdkapital aufzunehmen

- Die Exitmöglichkeiten 

- Die Synergien mit anderen Unternehmen im Portfolio des PE-Fonds

- Der beste Zeitpunkt für die Transaktion

ABER: Halte es möglichst simpel.

 

Die Checkliste oben liefert wertvollen Input und ist ein Weg, um an die Aufgabe heranzugehen, aber wenn es um die Präsentation der Informationen geht, zählt Qualität mehr als Quantität. McManus sagt: „Der Hauptgrund, warum Leute bei der Case Study scheitern ist, dass sie zu viel sagen. Man muss sich auf das konzentrieren, was wirklich entscheidend ist und den Unterschied ausmacht. Es geht nicht um Quantität, sondern um die Qualität des Denkens. Wenn du 30 Stärken und Schwächen analysierst, sind vielleicht nur drei davon wichtig. Es kommt nicht auf die Analyse an, sondern darauf, was von dieser Analyse wichtig und für die Investitionsthese entscheidend ist. Die meisten Unternehmen neigen dazu, dieselbe Case Study zu verwenden, damit sie sehen können, wie eine gute Antwort aussieht.“

Weiche Faktoren wie etwa zwischenmenschliche Fähigkeiten sind ebenfalls wichtig, denn wenn die Case Study dem Job am nächsten kommt, dann ist sie auch ein Maßstab dafür, wie du dich in einer realen Situation verhalten würdest. McManus sagt: „So sieht es aus, wenn du um 11 Uhr morgens mit deinem Chef sprichst, nachdem du am Tag vorher das Informationsmemorandum erhalten hast. Die Interviewer achten nicht nur darauf, wie du an die Fallstudie herangehst, sondern auch darauf, ob sie so jeden Dienstagmorgen um 11 Uhr mit jemandem sprechen wollen.“

Die Übung dauert in der Regel etwa vier Stunden, wenn man den Modellierungsaspekt mit einbezieht, es gibt also Zeitdruck. „Die besten Tipps sind, zu üben, wie man einfach, aber zielgerichtet denken kann. Überlege, wie du schnell arbeiten kannst. Unter Druck arbeiten zu können, ist und bleibt wichtig“, sagt Houson.

Manche Unternehmen bieten jedoch die Möglichkeit, die CIM-Prüfung an einem Wochenende zu machen. In diesem Fall, so ein Private-Equity-Experte, solltest du jemanden der bereits in der PE-Branche tätig ist, bitten, einen Blick auf deine Unterlagen zu werfen. Und er empfiehlt, sich an Leute zu wenden, die Case-Study-Interviews bereits hinter sich haben und mit ihnen zusammen Testfragen durchzugehen.

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